Ja, manchmal ist Politik sehr mühsam. Wenn die SPD wieder mal ihre Vorsitzenden demontiert. Oder wenn es der Kanzler nicht hinbekommt, den Posten des Verkehrsministers unfallfrei zu besetzen. Aber was hilft’s? Dieser Tage kann Deutschland erneut das Schauspiel bewundern, wie sich selbst ernannte Alternativen zu den „Altparteien“ spektakulär demontieren.
Der Niedergang der einstigen Hoffnungsträgerin Sahra Wagenknecht ist atemberaubend. In Thüringen stellte sich der überwiegende Teil der BSW-Fraktion gegen ihre Forderung, die Brombeer-Koalition mit CDU und SPD zu beenden. Die Partei, die noch immer Wagenknechts Namen trägt, verweigert der Vorsitzenden offen die Gefolgschaft. Darin spiegelt sich auch der Unmut vieler (linker) Mitglieder wider, weil sich Wagenknecht immer stärker der AfD anbiedert. Ihr Angebot, den Rechten als Steigbügelhalterin zur Macht zu dienen, speist sich eher aus der Angst vor Bedeutungsverlust.
Die heute 57-Jährige war nie als Politikerin mit starker inhaltlicher Agenda aufgefallen. Klar, sie sprach über Rente oder Gerechtigkeit, später zunehmend über Migration. Doch im Prinzip ging es Wagenknecht immer nur um Wagenknecht. Sie bevorzugte Talkshows statt Plenarsäle. Fast nie wollte sie gestalten, meist war sie als politische Abrissbirne unterwegs. Geklappt hat das nicht: Die Linkspartei, die sie mit dem BSW spalten wollte, ist heute stark wie lange nicht. Für sie hat sich Wagenknechts Egoshow nachträglich sogar als Glück erwiesen.