Aus einer anderen Zeit: Hollande mit Angela Merkel. © afp
Paris – Der französische Ex-Präsident François Hollande will es offenbar noch einmal versuchen: Parteifreunde haben ihm zu seinem 72. Geburtstag in der vergangenen Woche eine landesweite Plakataktion geschenkt. Auf den Plakaten ist Hollandes Porträt im Pop-Art-Stil zu sehen, begleitet von Erfolgsmeldungen aus seiner Amtszeit wie etwa „650.000 Franzosen sind mit 60 in Rente gegangen“ oder „60.000 Lehrer wurden eingestellt“.
Die Sätze beginnen jeweils mit „Als er Präsident war…“ – eine Anspielung auf eine Wahlkampfdebatte gegen Nicolas Sarkozy im Jahr 2012, in der Hollande zahlreiche Sätze mit den Worten begonnen hatte: „Wenn ich Präsident bin…“.
Hinter der Plakataktion steht allerdings nicht die sozialistische Partei PS, es ist eine private Initiative mehrerer Parteifreunde. Hollande habe davon nichts gewusst, sei aber erfreut gewesen, sagte der Regionalpolitiker Wilfrid Pailhes.
Das linke Lager ist derzeit zersplittert: Der 74-jährige Linkspopulist Jean-Luc Mélenchon hat seine Kandidatur schon lange erklärt. Die Sozialisten wollen ihn jedoch nicht unterstützen, bei ihnen gilt derzeit der sozialdemokratische EU-Abgeordnete Raphaël Glucksmann als aussichtsreichster Kandidat. Wenn dieser in den Umfragen aber zurückfalle, werde Hollande bereitstehen, meint Pailhes. Es sei auch schon ein Wahlkampfbüro in Paris angemietet, erklärte er.
Hollande hatte sich 2012 gegen den damaligen konservativen Amtsinhaber Sarkozy durchgesetzt. Sein Wahlkampfversprechen lautete, er wolle ein „normaler“ Präsident sein. In seine Amtszeit fielen die islamistischen Anschläge gegen die Redaktion des Satireblatts „Charlie Hebdo“ und auf mehrere Orte in Paris 2015. Im Gedächtnis blieb vielen der Beginn seiner Beziehung zur Schauspielerin Julie Gayet während seiner Amtszeit, die durch Paparazzi-Fotos bekannt wurde. Die beiden sind inzwischen verheiratet.
Es wird damit gerechnet, dass sich Hollande im Januar dazu äußert, ob er tatsächlich bei der Präsidentschaftswahl 2027 kandidieren will. Im Unterschied zu Glucksmann gehört er weiter der sozialistischen Partei PS an, was seine Chancen vergrößern könnte. In einer Beliebtheitsumfrage lag Hollande kürzlich mit 41 Prozent einen Punkt vor Glucksmann.
Hollande hatte bereits 2022 versucht, für seine Partei in den Präsidentschaftswahlkampf zu ziehen, unterlag aber der Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo. Diese erzielte mit knapp zwei Prozent das schlechteste Ergebnis in der Parteigeschichte. Im September will Hollande ein Buch zu seinem politischen Programm vorlegen – eine übliche Etappe für Präsidentschaftskandidaten in Frankreich. Darin solle es auch darum gehen, wie „eine neue Linke“ aufgebaut werden könne.