Bischof Wiesemann tritt zurück

von Redaktion

Missbrauchsskandal: Oberhirte von Speyer wurde depressiv

Speyer – Der katholische Bischof von Speyer, Karl-Heinz Wiesemann, hat sein Amt aus gesundheitlichen Gründen mit sofortiger Wirkung niedergelegt. Ihm sei bewusst geworden, dass er nicht mehr die Kraft habe, „die ganze Wegstrecke bis zur vollständigen Umsetzung der anstehenden Strukturreformen zu gehen“, sagte Wiesemann einer Mitteilung seines Bistums zufolge. Papst Leo XIV. habe seinen Rücktritt angenommen.

Bischof Wiesemann ist am 1. August 66 Jahre alt geworden. Der beliebte Seelsorger, ein Befürworter von Reformen in der Kirche, hatte im Februar 2021 eine sieben Monate lange Auszeit genommen wegen einer schweren Depression. In dieser Zeit war er zwei Monate lang in einer Klinik behandelt worden. Er hatte auf dem Katholikentag in Würzburg im Mai offen über seine Erkrankung gesprochen. Das alte Bild von Kirche sei zerbröckelt und manche kirchliche Lehre an der Realität zerschellt, sagte er im Mai.

Finanzprobleme und Änderungsprozesse im Bistum, aber insbesondere der Missbrauchsskandal in der Kirche seien ihm so sehr an die Nieren gegangen, dass er krank geworden sei. Wiesemann berichtete von Schlafstörungen, tiefen Ohnmachtsgefühlen und Bodenlosigkeit. „Das zuvor so solide Grundvertrauen in das eigene Leben wurde brüchig.“ Auch sein Rollenverständnis als Bischof habe er hinterfragt. Obwohl er zwischenzeitlich seinen Dienst wieder aufgenommen hatte, legt der Bischof nun sein Amt endgültig nieder. Die Last der Verantwortung habe in ihm körperlich, wie vor allem seelisch „schwerwiegende Spuren hinterlassen“. Bischof Heiner Wilmer, Vorsitzender der Bischofskonferenz, bedauerte den Rücktritt und bezeichnete Wiesemanns Rückzug als großen Verlust. Er empfinde Hochachtung vor der Entscheidung und wünsche ihm viel Kraft.CM

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