Karlsruhe/Pula – Seit Jahren sind deutsche Ermittler dem siebenköpfigen Team auf der Spur, das im September 2022 die Nord-Stream-Pipelines in der Ostsee gesprengt haben soll. Nur einer von ihnen, der Ukrainer Serhij K., sitzt bisher in deutscher Untersuchungshaft. Ein zweiter Verdächtiger wurde im vergangenen Herbst zwar in Polen gefasst. Doch die polnische Justiz wollte den Mann nicht nach Deutschland ausliefern. Er kam frei – jedenfalls bis jetzt.
Am Mittwochmorgen geht Wolodymyr Z. den Ermittlern erneut ins Netz. Diesmal wird der Ukrainer auf Grundlage eines Europäischen Haftbefehls in der kroatischen Küstenstadt Pula gefasst. Die Bundesanwaltschaft wirft ihm unter anderem das Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion vor und will ihn in die Bundesrepublik überstellen lassen. Klappt es beim zweiten Versuch?
Hintergrund der Ermittlungen sind die Sprengungen nahe der dänischen Ostseeinsel Bornholm, die die beiden Nord-Stream-Pipelines so sehr beschädigten, dass kein Gas mehr durchgeleitet werden konnte. Durch Nord Stream 1 floss vorher russisches Erdgas nach Deutschland, Nord Stream 2 war noch nicht in Betrieb.
Die Ermittler gehen davon aus, dass sich die sieben Täter mit der Segeljacht Andromeda zu den Gaspipelines begeben hatten – unter ihnen ein Schiffsführer, ein Sprengstoffexperte und vier Tiefseetaucher. Bei Tauchgängen in bis zu 80 Metern Tiefe sollen sie vier mit Zeitzündern versehene Sprengsätze an den Pipelines befestigt haben, die am 26. September 2022 detonierten. Bei Wolodymyr Z. soll es sich um einen der Taucher handeln.
Koordiniert wurde die Operation nach Überzeugung der Bundesanwaltschaft von Serhij K., damals Offizier der ukrainischen Streitkräfte. Er konnte vor einem Jahr im Italien-Urlaub mit seiner Familie festgenommen werden. Nach langem juristischen Hin und Her wurde er nach Deutschland ausgeliefert. Vor einigen Wochen erhob die Bundesanwaltschaft Anklage am Oberlandesgericht in Hamburg – auch wegen Kriegsverbrechen.
Die Festnahme von Wolodymyr Z. auf der Grundlage eines Europäischen Haftbefehls lässt erwarten, dass seine Auslieferung nach Deutschland relativ zügig erfolgen wird. Der Verdächtige hat die Möglichkeit, seine Auslieferung vor dem Gericht in Pula zu bekämpfen.
J. MELCHER/G. MAYER