Für die CDU Sachsen-Anhalt und ihren leider mäßig talentierten (Noch-)Ministerpräsidenten Sven Schulze gleicht der Landtagswahlkampf einer nicht enden wollenden Geisterbahnfahrt. Mal springt Sahra Wagenknecht als gruselige AfD-Mehrheitsbeschafferin aus einer dunklen Ecke, mal eröffnet Schulze-Wahlkämpfer Didi Hallervorden sein friendly fire auf den angeblichen „Kriegsminister“ Pistorius (gerade so, als hätte nicht Putin den Krieg gegen die Ukraine angezettelt), und jetzt reißt auch noch ein CDU-Bürgermeister eigenhändig die Brandmauer zur AfD ein. Wer solche Wahlhelfer hat, braucht den Wählern am 6. September eigentlich gar nicht mehr unter die Augen zu treten.
Den Namen des CDU-Rathauschefs, der aus der Provinz gegen die Parteilinie und den eigenen Landesvater aufbegehrt und zur Wahl der AfD aufruft, muss man sich nicht merken. Doch ahnt man auch in der Berliner Bundesparteiführung, dass nach der Sachsen-Anhalt-Wahl auch etliche CDU-Landtagsabgeordnete den Sirenenklängen der AfD und ihres Spitzenmanns Ulrich Siegmund nicht widerstehen werden und als Überläufer der AfD zur Regierungsmehrheit verhelfen könnten. Dann müsste die AfD nicht mal einen faustischen national-sozialistischen Pakt mit der roten Sahra schließen.
Und damit noch nicht genug des Schreckens: Selbst wenn das BSW scheitert und die CDU ihre Reihen überraschend doch geschlossen halten kann, bräuchte die Union zur Wiederwahl Schulzes die Stimmen der SED-Nachfolger. Auch wenn einige Unions-Spitzenleute gerade versuchen, den für die Linken geltenden Unvereinbarkeitsbeschluss wegzunuscheln: Für die Glaubwürdigkeit der Union und alle kommenden Wahlen wäre das kaum weniger verheerend, als wenn sich die CDU den Rechtsradikalen als Juniorpartner andiente. Gerade in Sachsen-Anhalt duldet die „Alternative“ auch offen Rechtsextreme in ihren Reihen.
Das aus Sicht der CDU-Gesamtpartei (und auch der Söder-CSU, die 2028 Wahlen bestehen muss) am wenigsten schreckliche Ende der Geisterbahnfahrt wäre, so absurd das klingt, eine Regierungsübernahme der AfD in Magdeburg. In Berlin ginge das große Gruseln für Friedrich Merz, Bärbel Bas und Lars Klingbeil dann aber wohl erst richtig los. GEORG.ANASTASIADIS@OVB.NET