AfD-Angst vor Überläufern?

von Redaktion

Im Wahlkampf versammelt sich die AfD in Sachsen-Anhalt geschlossen hinter Ulrich Siegmund – danach auch? © Gercke/dpa

München/Magdeburg – Das Szenario kursierte bisher eher umgekehrt. Weil angesichts knapper Umfragen am Ende einzelne Sitze darüber entscheiden könnten, ob es für die AfD sogar zur Alleinregierung reicht, war bisher vor allem darüber spekuliert worden, dass CDU-Überläufer der rechten Partei am Ende womöglich über die Schwelle helfen. Nun aber berichtet der MDR: Das entgegengesetzte Szenario ist wahrscheinlicher. Sprich: Überläufer zur CDU, die der AfD nach der Wahl von der Stange gehen.

Schon länger werde sowohl in der CDU als auch in der AfD genau darüber diskutiert. Und dem Bericht zufolge gilt diese Möglichkeit auch in der AfD als die wahrscheinlichere. Demnach kursieren sogar fünf bis zehn konkrete Namen möglicher Überläufer zur CDU.

Auch die Frage, warum diese Abgeordneten dazu bereit sein sollten, wird in dem Bericht aufgegriffen – und sogar aus den Reihen der AfD beantwortet. Demnach nennt ein „AfD-Insider“ verschiedene plausible Motive für einen solchen möglichen Seitenwechsel. Ältere Abgeordnete, die keine weitere Wiederwahl anstreben, hätten vergleichsweise wenig zu verlieren. Auch gebe es teilweise offene Rechnungen mit der Landes- oder Fraktionsspitze, etwa weil einzelne AfD-Politiker bei der Verteilung von Posten und Ämtern in der Vergangenheit nicht so berücksichtigt wurden, wie sie es für angemessen gehalten hätten. Ob Wechselabsichten dann aber tatsächlich umgesetzt oder nur als Druckmittel genutzt würden, sei allerdings schwer einzuschätzen, räumt auch der MDR ein.

Die CDU zeigt sich jedenfalls offen. Generalsekretär Mario Karschunke verweist auf MDR-Nachfrage zwar darauf, dass sich diese Frage erst nach der Wahl stelle. Ein namentlich nicht genannter „Parteistratege“ bestätigt allerdings, es sei gut vorstellbar, dass man genau solche Gespräche nach der Wahl führen werde. Er halte es grundsätzlich für „gut möglich, dass die Union Leute aus der AfD herauslösen“ könne.

Laut Verfassungsschutz wächst die Mitgliederzahl der AfD in Sachsen-Anhalt seit 2023 jährlich um 30 bis 40 Prozent. Ende 2025 hatte die Partei nach eigenen Angaben in dem Bundesland rund 3500 Mitglieder – ein Anstieg um fast tausend innerhalb eines Jahres. Ideologisch ordnet der Verfassungsschutz den Landesverband der sogenannten Neuen Rechten zu.

Mit der Landtagswahl 2016 zog die AfD erstmals in den Magdeburger Landtag ein. Seit den Kommunalwahlen 2019 ist die Partei in allen Kreistagen sowie in der überwiegenden Zahl der Stadt- und Gemeinderäte des Bundeslands in Fraktionsstärke vertreten. Bei der Landtagswahl 2021 kam die AfD auf 20,8 Prozent und blieb damit stärkste Oppositionsfraktion im Parlament. Bei der Bundestagswahl 2025 wurde sie in Sachsen-Anhalt mit 37,1 Prozent der Zweitstimmen stärkste Kraft und holte auch alle acht Direktmandate. In aktuellen Umfragen zur Landtagswahl am 6. September steht die AfD stabil bei 40 bis 43 Prozent. Die CDU schwankt zwischen 22 und 24 Prozent.HOR/AFP

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