Berlin/Halle – Eine Mehrheit der Bürger hält Bärbel Bas und Lars Klingbeil einer Umfrage zufolge für Fehlbesetzungen als SPD-Chefs. 55 Prozent gaben in der Erhebung des Meinungsforschungsinstituts YouGov an, die beiden seien die Falschen für den Erfolg der Partei. Nur zehn Prozent der Befragten sagten, sie seien in der aktuellen Situation die Richtigen.
Selbst die SPD-Wähler bei der Bundestagswahl 2025 sehen die Vorsitzenden kritisch: 47 Prozent lehnen die Parteispitze ab, nur 20 Prozent befürworten sie. Zuletzt hatten Teile der SPD-Basis den Kurs der Parteispitze offen kritisiert. Besonders die Pläne der schwarz-roten Bundesregierung, die sogenannte Rente mit 63 abzuschaffen, lösten Unmut aus. Es kam die Forderung auf, Partei- und Ministerämter personell zu trennen und einen Sonderparteitag auszurichten.
Bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt kämpft die SPD um den Einzug in den Landtag. Zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik könnten die Sozialdemokraten an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern. Klingbeil traf sich am Freitag mit Vertretern der SPD-Basis in Bitterfeld-Wolfen und Halle. Seine Parteigenossen machten sich laut „Bild“ Sorgen um sein Wohlbefinden: Man solle doch bitte bedenken, dass Klingbeil „auch nur ein Mensch“ sei, sagte Direktkandidatin Katharina Kohl demnach.
Klingbeil lässt die Kritik scheinbar kaum an sich heran. Es sei völlig okay, dass über die Parteiführung diskutiert werde, sagte er. „Wir sind bei 12 Prozent, es sind wahnsinnig turbulente Zeiten. Ich weiß, dass ich meiner eigenen Partei auch mit Beschlüssen auf Bundesebene ein bisschen was abverlange.“ Wohngeldkürzung, Streichung der Rente mit 63 – einige Regierungskompromisse haben die SPD-Basis zuletzt heftig enttäuscht.
Der Parteivorsitzende sieht aber auch, dass sich kein namhafter Kandidat für einen Putsch in Stellung bringt. Manuela Schwesig jedenfalls zeigt kein Interesse. Dabei ist es ihr Name, der am häufigsten fällt: Sollte die 52-Jährige nach der Landtagswahl wieder Ministerpräsidentin in Mecklenburg-Vorpommern werden, habe sie auch das Kaliber für die nächste Kanzlerkandidatur, heißt es.