Der mächtigste Mann der Welt stößt wüste Drohungen aus – und keinen scheint das noch zu interessieren. „Wenn Oman uns im Weg steht, werden wir sie in Schutt und Asche legen“, wütete Donald Trump in der vergangenen Woche. Dabei zählt der Oman im komplizierten Nahost-Geflecht eigentlich zu seinen Verbündeten. Gegen den Iran, mit dem sich die USA längst in einem richtigen Krieg befinden, kündigte Trump einen Wirtschaftskrieg an, „die vernichtendste Wirtschaftsoperation“ aller Zeiten. Und mit Kanada befindet man sich seit Monaten in heftigen Zollstreitigkeiten. Doch statt klein beizugeben, wirft Kanadas Premierminister Mark Carney dem Nachbarn vor, einen Handelskrieg gegen sein Land losgetreten zu haben. Er droht offen mit Gegenzöllen – US-Konzerne schlagen Alarm.
Ja, Trump tobt und poltert. Man könnte sagen: Eigentlich ist alles wie immer. Und doch ändert sich das weltweite Bild: Die ewigen Tiraden des US-Präsidenten werden von den Adressaten immer öfter ignoriert. Zehn Wochen vor den Midterm-Wahlen in den USA, bei denen Trump zumindest die Mehrheit im Repräsentantenhaus verlieren dürfte, kann die Welt dabei zusehen, wie die Macht des Präsidenten schwindet. Zu groß ist der innenpolitische Druck, weil er seine zentralen Versprechen nicht hält: militärische Interventionen zu beenden (stattdessen griff er den Iran an), die Inflation in den Griff zu bekommen (sie stieg auf über drei Prozent), die Wirtschaft zu stärken (das Wachstum fällt 2026 wieder unter die Zwei-Prozent-Marke). Vor allem die Benzinpreise explodieren durch Trumps Krieg. Im Autoland USA ist das noch heikler als hierzulande.
Immer deutlicher tritt zutage, wie sehr sich Trump verzettelt hat. Seine Drohungen tragen zunehmend Züge von Verzweiflung. Das ist einerseits schlecht für Europa, weil es auch seine Position gegenüber China oder Wladimir Putin schwächt. Aber es kann auch in Brüssel und Berlin zu einer Nachjustierung der Strategie führen. An der selbstbewussten Haltung Kanadas sollte man sich ein Beispiel nehmen!