Der Chatbot als Partner-Ersatz

von Redaktion

Einsamkeit durch KI

2013 war es nur ein Science-Fiction-Film: In „Her“ von Regisseur Spike Jonze verliebt sich die von Joaquin Phoenix dargestellte Hauptfigur in ein Computerprogramm. Das damals noch so absurd klingende Szenario ist 13 Jahre später traurige Realität: Immer mehr einsame Menschen weltweit suchen nicht mehr den Kontakt zu realen Menschen, sondern vertrauen ihre Probleme und Sehnsüchte Künstlicher Intelligenz an. ChatGPT-Gründer Sam Altman nennt „Her“ sogar einen seiner Lieblingsfilme, der ihn bei der Entwicklung seiner KI-Programme inspiriert habe – offensichtlich ignorierend, dass schon dieser Film die psychisch zerstörerische Kraft der KI entlarvt.

Eine wissenschaftliche Studie zeigt nun, worin das Hauptproblem der Flucht aus der Einsamkeit in die virtuelle Pseudo-Wärme besteht: Der KI-Partner widerspricht nie, bestätigt noch die absurdeste Verirrung. Die soziale Isolation und Egozentrik vertiefen sich – ein Teufelskreis. Einsamkeit, die Unfähigkeit zu Partnerschaften, wird zu einem immer größeren, noch viel zu sehr vernachlässigten gesellschaftlichen Problem. Das geht so weit, dass besonders labile Menschen durch den Chatbot sogar in Psychosen gestürzt werden können.

Die Politik beginnt erst jetzt, viel zu spät und viel zu zögerlich, die zerstörerische Kraft Sozialer Medien auf Kinder und Jugendliche zu thematisieren. Doch bis da endlich Verbote und Regulierungen der Tech-Giganten greifen, ist die Entwicklung schon wieder auf ganz neuen, in den psychischen Auswirkungen noch problematischeren Pfaden unterwegs. Deshalb darf die Politik der Technik nicht nur hinterherhecheln. Da die Selbstregulierung durch die Hersteller nicht funktioniert – siehe „Her“-Fan Sam Altman – muss der Staat die Expertise von kritischen KI-Experten zur frühzeitigen Verhinderung schlimmster Auswüchse stärker nutzen.

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