Der Herbst steht vor der Tür und damit die Krankheitssaison. Es wird wohl die letzte kalte Jahreszeit sein, in der sich die Patienten nicht angeschlagen zum Arzt schleppen müssen. Denn Schwarz-Rot will die telefonische Krankschreibung abschaffen. Und der AOK-Bundesverband, der 20,9 Millionen Versicherte vertritt, nutzt das Ende des Sommers, um diese Pläne noch einmal gehörig infrage zu stellen. Der Zeitplan steht zwar noch nicht fest. Chaos in den Wartezimmern ist aber vorprogrammiert. Paradoxerweise listet die Bundesregierung sogar selbst auf ihrer Webseite die Vorteile der telefonischen Krankschreibung auf: Sie entlastet die Arztpraxen und reduziert die Ansteckung im Wartezimmer.
Klar, die hohen Krankheitsstände in Deutschland müssen sinken. Doch anstatt mit staatlichen Erziehungsmaßnahmen den Druck auf die Arbeitnehmer zu erhöhen, müssen die Langzeitkranken in den Blick genommen werden. Sie sind zwar seltener, machen laut Techniker Krankenkasse aber einen Großteil der Krankheitstage aus. Die Möglichkeit der Teilkrankschreibung, Burn-out-Prävention und regelmäßige Gesundheitschecks sind da viel sinnvollere Stellschrauben.