Die D-Mark-Nostalgie der Alice Weidel

von Redaktion

Austritt aus dem Euro?

Die AfD wundert sich gerne, warum die anderen Parteien nicht mit ihr zusammenarbeiten wollen. Wer seinen schönen Sonntagabend damit verbrachte, Alice Weidel und Tino Chrupalla bei ihren Sommerinterviews zu lauschen, bekam einen Eindruck davon, warum das so ist. Zwei Beispiele: Weidel, Monatseinkommen rund 24.000 Euro (12.000 als Abgeordnete, 12.000 als Fraktionschefin), beschimpfte „die da oben“ derb als „Flachzangen“. Chrupalla unterstellte Wahlbetrug in Deutschland und forderte deshalb die Abschaffung der Briefwahl.

Von Lösungen für die Probleme Deutschlands hörte man in den Interviews wenig. Weidel plädierte für einen Austritt aus dem Schengenraum und dem Euro. Als Vorbild nannte sie den Schweizer Franken. Das mag persönlichen Erfahrungen geschuldet sein, schließlich lebt Weidel privat mit ihrer Frau und zwei Kindern in der Schweizer Gemeinde Einsiedeln. Bei aller D-Mark-Nostalgie erleben viele Deutsche den Euro – gerade jetzt in der Ferienzeit – als einen der Vorzüge der Europäischen Einheit. Kein lästiges Geldwechseln bei der Reise nach Österreich oder Italien! Auch die Wirtschaft hält nichts von solchen Plänen. Erst gestern legte die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft eine Studie vor, die die Bedeutung Europas und offener Grenzen betonte.

Bei allem Frust auf Berlin oder Brüssel, könnte sogar die AfD aus der Geschichte lernen: In Großbritannien finden nur noch 33 Prozent, dass der Brexit richtig war. Man sollte Fehler anderer nicht wiederholen!

Artikel 1 von 11