So macht die Rückkehr aus dem Urlaub Spaß: Pfiffe und laute Pfuis gab’s für den Kanzler im Hürtgenwald, weil er seine Ferien wegen der Brände nicht unterbrochen hatte. Die Erklärungen des Landrats, dass Friedrich Merz den Löscharbeiten auf dringenden Wunsch der Feuerwehr ferngeblieben sei, ließ die zornige Menge nicht gelten. Stattdessen gab’s Pöbeleien, als hätte der Kanzler das Feuer eigenhändig gelegt. Was kommt als Nächstes? Kreuzigt-ihn-Geschrei wie in Monty Pythons „Leben des Brian“? Rufe nach einem neuen Messias, heiße er nun Hendrik Wüst oder Alice Weidel?
Merz ergeht es wie dem unfreiwillig zum Heilsbringer beförderten Brian in der schwarzen Filmkomödie: Egal was er auch versucht, er kann‘s keinem mehr recht machen. Dabei täte etwas weniger Drama den dauerempörten Wutbürgern mal ganz gut. Es sei daran erinnert, dass Merz Deutschlands tiefe Probleme erstens nicht verursacht hat und dass die Wähler ihn 2025 zweitens nicht mit der nötigen Mehrheit ausgestattet haben, um sie mit eigener Kraft zu lösen. Stattdessen muss er in einer Koalition mit der störrischen SPD daran herumdoktern. Und die Regierten sind sauer, weil sie nach Jahren des Überflusses den Gürtel enger schnallen müssen. Aber der Staat, das sind nicht nur die „da oben“. Das sind wir alle. In Bayern mit seinem hohen bürgerschaftlichen Engagement wissen das viele noch.
Jetzt also soll von der morgigen Kabinettsklausur in Brandenburg ein neues Aufbruchssignal ausgehen. Zwölf Tage vor der Wahl in Sachsen-Anhalt, von der eher ein anderes Signal ausgeht, keine leichte Aufgabe. Wenn man Union und SPD einen Vorwurf machen will, dann den: Die Koalition hat kurz vor der Sommerpause eine große Rentenreform aus dem Hut gezaubert und dann monatelang zugesehen, wie sie von den eigenen Ost-Ministerpräsidenten zerfleddert wurde. Kluges Politmanagement geht anders.
Trotzdem: Wenn unser Land eines jetzt nicht braucht, dann noch mehr Hysterie. Sondern den Willen, das Land nach vorn zu bringen. Mehr Klimageräte für Kliniken, Altenheime, Schulen gehören dringend dazu. Ob die Klimaanpassung, wie von der SPD verlangt, aber gleich ins Grundgesetz muss, noch dazu mit den teuer erkauften Stimmen der Linkspartei, ist für die Bürger zweitrangig. GEORG.ANASTASIADIS@OVB.NET