Liebesgrüße aus London

von Redaktion

Zeichen der Unterstützung: Der neue britische Premierminister trifft sich in Kiew mit Verwundeten des Krieges gegen Russland. © Henry Nicholls/AFP

Kiew/Moskau – Das Ziel ist mit Bedacht gewählt. Es ist die erste Auslandsreise des neuen britischen Premierministers Andy Burnham. Und sie geht nicht nach Washington, Berlin oder Brüssel. Nein, Burnham steht am Montag bei Sonnenschein auf dem Sophienplatz in Kiew. Es ist ein Zeichen der Unterstützung. Obwohl Moskau unlängst wieder wüste Drohungen gegen London ausstieß, weil die Ukraine dort hergestellte Waffen gen Russland schickte. Burnham aber möchte weitermachen. Er sichert dem Land zusätzliche Militärhilfe zu und will ihm die Produktion von weitreichenden Marschflugkörpern mit britischer Technologie ermöglichen.

Die Ukraine erlangte am 24. August 1991 ihre Unabhängigkeit von der Sowjetunion. Zum Jahrestag empfängt Präsident Wolodymyr Selenskyj die Gäste, darunter die Staats- und Regierungschefs aus Luxemburg, Lettland, Moldau, Litauen, Finnland und Estland sowie EU-Ratspräsident António Costa. Dabei wird in einer Schweigeminute auch der Opfer des russischen Angriffskriegs gedacht. Und es gibt Gastgeschenke: Die EU genehmigt neue Rüstungshilfen im Wert von 6,1 Milliarden Euro. Die Mittel seien für Flugabwehrsysteme, Raketen, Munition und Radaranlagen vorgesehen, teilt die EU-Kommission mit.

Selenskyj nutzt den Tag für eine Kampfansage an Kremlchef Wladimir Putin, der den Krieg begonnen hat. Russland müsse durch die Einheit der internationalen Gemeinschaft in die Knie gezwungen werden, sagt Selenskyj in einem Video. Er kündigt weiteren Widerstand an. „Die Ukraine wird das schaffen. Die Ukraine hat bereits Aufgaben bewältigt, die anfangs unüberwindbar schienen.“

Der ukrainische Präsident sieht Putin mit seinen Kriegszielen gescheitert. Moskau habe unterschätzt, wie entschlossen die Ukrainer um ihre Unabhängigkeit kämpfen. Putin habe Russland großmachen wollen, heute gebe es lange Schlangen an den Tankstellen. Seine Soldaten würden von Kiews Armee auf dem Schlachtfeld „zu Dünger“ gemacht. Zugleich schwört Selenskyj sein Land auf eine Fortsetzung der Kämpfe ein: „Wir müssen unser Militär stärken.“

Der Krieg hat in den vergangenen Wochen an Wucht zugenommen. Russland nutzt immer mehr ballistische Raketen und Drohnen. Das führte zuletzt zu den höchsten zivilen Opferzahlen seit den ersten Kriegsmonaten. „Während Russland seine Angriffe verstärkt, weiten wir unsere Unterstützung aus, damit die Ukraine ihre Bevölkerung schützen und ihren Luftraum verteidigen kann“, sagt Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Die Finanzhilfen sind Teil eines neuen Unterstützungsdarlehens im Umfang von bis zu 90 Milliarden Euro. Es wird in mehreren Tranchen ausgezahlt.

Burnham bringt bei seinem Besuch ein Geschenk mit: London wird Kiew die Produktion weitreichender Marschflugkörper ermöglichen. Die Regierung in London erlaubt dem französisch-britisch-italienischen Rüstungsunternehmen MBDA die Weitergabe geheim eingestufter Informationen, um Kiew die Fertigung von Marschflugkörpern vom Typ Scalp zu ermöglichen. Die Freigabe der Informationen für die britischen Komponenten der Marschflugkörper ermögliche es der Ukraine und auch Frankreich, eine Produktion in der Ukraine zu etablieren, heißt es.

Kiews Militär nutzt die von Großbritannien und Frankreich bereitgestellten Marschflugkörper mit einer Reichweite von mehr als 250 Kilometern bereits. In Großbritannien wird das Geschoss Storm Shadow genannt, in Frankreich Scalp. Die Marschflugkörper ermöglichen präzise Angriffe weit im russischen Hinterland.

In Moskau sorgt das für großen Ärger. Kremlsprecher Dmitri Peskow wirft London vor, „Öl ins Feuer“ des Kriegs zu gießen. Großbritannien sei Kriegspartei und schmiede „Intrigen, um auch nur die geringste Entwicklung eines friedlichen Prozesses der Regulierung zu verhindern“. Russland droht mit „einer Zerstörung der entsprechenden Objekte“.

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