Der Fund einer dritten Sprengstoffdrohne am Leipziger Flughafen dürfte weder den Kanzler noch seinen Sicherheitsminister Alexander Dobrindt überrascht haben. Deutschland steht, wie Friedrich Merz gestern sagte, „im Fadenkreuz“. Wer mit den „fremden Mächten“ gemeint ist, von denen die Regierung so ahnungsvoll spricht, kann sich jeder an den Fingern einer Hand abzählen. „In Kürze“, droht Merz, werde die Regierung ihre Erkenntnisse vorlegen. Eine regierungsamtliche Beschuldigung Russlands bliebe nicht ohne gravierende Konsequenzen: Deutschland und die Nato müssen dann sagen, in welcher Form die Täter für ihren hybriden Angriff zu „bezahlen“ (O-Ton Merz) hätten. Zur Auswahl stehen noch mehr Sanktionen, die Beschlagnahme russischen Vermögens und noch mehr Waffen für die Ukraine.
Oder alles zugleich. Berlin muss Putin ein Stoppschild setzen, damit dieser seine Attacken auf Westeuropa nicht eskaliert; gleichzeitig darf sich die Regierung aber nicht tiefer in den im Osten tobenden Krieg hineinziehen lassen. Auch wenn Linke, FDP, Grüne und AfD das neue Geheimdienstgesetz der schwarz-roten Regierung heftig kritisieren: Eine Stärkung und Ermächtigung der deutschen Dienste, bei Angriffen auch zurückzuschlagen, ist für die deutsche Zeitenwende bei der Sicherheit unerlässlich.
Der Kreml kann Deutschland nicht militärisch bezwingen, aber politisch und gesellschaftlich. In Sachsen-Anhalt hofft Putin, mithilfe seiner fünften Kolonnen AfD, BSW und Linker in wenigen Tagen den nächsten Schlag gegen Berlin führen zu können. An seiner Seite ist Peking, das Europa wirtschaftlich zerstören will. Nicht Trumps Amerika, sondern die weniger wehrhafte EU ist das Angriffsziel von Chinas hochsubventionierter Exportindustrie. Auch hier werden sich Berlin und Brüssel im Herbst zu harten Entscheidungen aufraffen müssen. Eine Auto-Allianz zwischen der EU, Großbritannien, Südkorea und Japan, die auf eine gegenseitige Bevorzugung bei der EU-Auto-Förderung und Hilfe bei kritischen Rohstoffen setzt, wäre ein wichtiger erster Schritt.
Der Merz-Regierung ist auf ihrer Klausur in Neuhardenberg Glück zu wünschen. Denn nie zuvor stand eine Bundesregierung so sehr im Fadenkreuz feindseliger fremder Mächte.