In New York – wie hier am Times Square – fühlt sich Annalena Baerbock wohl. Sie will bleiben. © Nietfeld/dpa
New York – Es ist eine erstaunliche Liebe, die Grünen-Spitzenpolitiker für die USA hegen – insbesondere für die Unis dort: Robert Habeck ging 2025 nach dem Ampel-Ende an die Elite-Uni Berkeley, wo er mit der deutschen Wirtschaftsweisen Ulrike Malmendier eine Vorlesungsreihe zum Thema Krisen hielt. Joschka Fischer, der als junger Mann in der Studentenbewegung noch eifrig gegen die US-Politik demonstrierte, übernahm 2006 eine einjährige Gastprofessur für internationale Wirtschaftspolitik an der Princeton University.
Und jetzt zieht es auch Annalena Baerbock zu einer US-Elite-Uni: Die Ex-Außenministerin wird Professorin an der Columbia University in New York. Unter Berufung auf Parteikreise berichtete das Portal Table Briefings, die im Herbst beginnende Zusammenarbeit von Baerbock mit der Universität sei auf drei Jahre angelegt. Baerbock werde sich in ihren Vorlesungen unter anderem mit Fragen der internationalen politischen Führung befassen.
Die Karenzzeit für ehemalige Minister für solche Jobs in der freien Wirtschaft endet nach 18 Monaten. Eine Genehmigung der Bundesregierung für die Professur oder etwaige andere Jobs benötigt sie deshalb nicht mehr. Baerbock wird den Informationen zufolge zudem auch als buchbare private Vortragsrednerin arbeiten.
Die Entscheidung, nach ihrer auf ein Jahr befristeten Aufgabe als Präsidentin der UN-Generalversammlung in den USA zu bleiben, wird wohl auch private Gründe haben. Denn die Ex-Grünen-Politikerin nahm ihre zwei 15 und elf Jahre alten Töchter mit nach New York. Durch den Job an der New Yorker Uni können die Kinder an ihren Schulen bleiben und werden nicht schon wieder aus ihrem eben erst gewonnenen Freundeskreis gerissen.
Vor ihrem Umzug nach New York hatte die 45-Jährige in der „Bunte“ erzählt, dass ihre Töchter „Feuer und Flamme“ für das Leben in den USA seien. Vor allem seien sie erleichtert, dass sie in den USA nicht mehr als Töchter einer prominenten Mutter wahrgenommen würden. „Dort haben sie nicht das Gefühl, ständig beobachtet zu werden.“
Baerbock hatte nach dem Abitur Politikwissenschaften, öffentliches Recht und Völkerrecht in Hamburg und London studiert. Für die New Yorker Elite-Uni ist sie aber vor allem wegen ihrer Erfahrungen auf dem diplomatischen Parkett wertvoll: Der Posten an der Columbia sei eine praxisorientierte Professur, keine klassische Forschungsprofessur. Das Programm richtet sich laut der Universität an Führungskräfte mit mindestens zehn Jahren Berufserfahrung.
Baerbocks einjähriges Amt als Präsidentin der UN-Generalversammlung endet offiziell am 8. September. Ihr Nachfolger wird Khalilur Rahman aus Bangladesch. Sie ist erst die fünfte Frau, die der Generalversammlung vorsteht – und mit ihrem Engagement dafür, dass nach UN-Generalsekretär António Guterres erstmals eine Frau auch an die Spitze der Vereinten Nationen gewählt werden solle, stößt sie auf Widerstand. Eine ungewöhnliche Koalition aus USA und Russland wirft Baerbock deshalb vor, bei ihrem Einsatz für die Guterres-Nachfolge ihre Kompetenzen zu überschreiten.