Schwebende Gefahr: Der Kanzler will bald mehr über die Urheber der Drohnen-Attacken sagen. © Kay Nietfeld/dpa
Berlin – Was hätte vor rund drei Wochen in Leipzig passieren können? Bei dem Drohnenvorfall am Leipziger Flughafen Anfang August ist Medienberichten zufolge offenbar eine weitere Drohne eingesetzt worden. Am 14. August sei eine Drohne auf einem Feld im Kabelsketal westlich des Flughafens gefunden worden, berichteten die „SZ“, NDR und WDR am Dienstag. Polizeikräfte hätten an der Fundstelle außerdem eine Substanz entdeckt, bei der es sich nach ersten Einschätzungen um militärischen Sprengstoff handeln könnte. Demnach könnte es dabei um rund 50 Gramm des hochexplosiven militärischen Sprengstoffs Hexogen gehen. „Die Täter hatten womöglich einen weitaus größeren Anschlag im Sinn als bislang öffentlich bekannt“, schreiben NDR und WDR.
Am Abend des 4. August war am Flughafen Leipzig eine mit Sprengstoff beladene Drohne entdeckt worden. In ihrer Nähe befanden sich mehrere ukrainische Frachtflugzeuge. Der Flughafen gilt als Umschlagplatz für militärische Hilfslieferungen für die Ukraine im Krieg gegen Russland. Wenig später stieß außerdem eine Frachtmaschine, die wegen des Vorfalls durchstarten musste, in der Luft mit einem Gegenstand zusammen – „mutmaßlich einer weiteren Drohne“, wie die Bundesanwaltschaft am 6. August erklärte. Nun der dritte Fund.
Auch wenn auf der Hand liegt, dass die Spur nach Russland führen könnte, übte die Bundesregierung sich bisher in Zurückhaltung. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) nannte Moskau nie namentlich, wenn er über den Vorfall sprach. Die Rede war lediglich von „fremden Mächten“. Auch der Bundeskanzler wurde am Dienstag am Rande der Kabinettsklausur in Schloss Neuhardenberg in dieser Hinsicht nicht konkret, kündigte aber an, dass es „in Kürze“ neue Hintergründe dazu geben werde. Es klang so, als hätte die Bundesregierung schon ein ziemlich klares Bild von den Urhebern.
Wer Merz zuhörte, muss mit weiteren Vorfällen dieser Art rechnen. Deutschland sei „ganz handfest bedroht“ und „stärker ins Fadenkreuz hybrider Angreifer gerückt“, sagte der Kanzler. „Angreifer nehmen zunehmend skrupellos auch schwere Sachschäden, sogar Verletzte und Tote in Kauf.“ Doch man lege den Urhebern einen Preis auf, betonte Merz auch. „Sie werden dafür bezahlen.“ Die Bundesregierung arbeite gemeinsam mit den Sicherheitsbehörden „intensiv“ an einer Zuordnung. Dass der Kanzler in diesem Zusammenhang ausführte, dass die Bundesregierung die Unterstützung der Ukraine „mit langem Atem“ fortsetzen wolle, um Friedensgespräche mit Russland zu erzwingen, dürfte kein Zufall gewesen sein.
Wie man Drohnen unschädlich machen kann, bevor sie zur Gefahr werden, davon bekamen Merz und seine Minister in Neuhardenberg auch einen Eindruck. Das Münchner Unternehmen Tytan Technologies führte einer Ankündigung zufolge eine neue Abfangdrohne vor. Tytan stellt sogenannte Counter-Drohnen her. Sie verfolgen gegnerische Fluggeräte, um sie mit Rammmanövern oder dem Einsatz einer eigenen Sprengladung vom Himmel zu holen.MM/DPA