Attestpflicht ab Tag 1: Längere Fehlzeiten drohen

von Redaktion

Berlin – Eine Attestpflicht ab dem ersten Krankheitstag könnte Fehlzeiten von Arbeitnehmern verlängern, statt sie zu verringern. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen YouGov-Umfrage des Sozialverbands VdK, die am Mittwoch veröffentlicht wurde. Darin gaben 21 Prozent der Befragten an, dass sie sich im Falle einer solchen Neuregelung vorsorglich für einen längeren Zeitraum krankschreiben lassen würden als notwendig, um wegen einer neuerlichen Bescheinigung nicht wieder zum Arzt gehen zu müssen.

Weitere 14 Prozent der Beschäftigten würden bei einer Attestpflicht ab dem ersten Tag „eher krank zur Arbeit gehen“, um sich den Arztbesuch zu sparen, was ein höheres Ansteckungsrisiko für Kollegen bedeuten würde. Drei Prozent nähmen „eher Urlaubstage“, wenn sie sich krank fühlten. 60 Prozent der Beschäftigten würden ihr Verhalten überhaupt nicht ändern.

„Wer Beschäftigte zwingt, schon am ersten Tag zum Arzt zu gehen, riskiert, dass sich Menschen krank zur Arbeit schleppen oder sich vorsorglich länger krankschreiben lassen“, sagte VdK-Präsidentin Verena Bentele. „Das wäre das genaue Gegenteil dessen, was die Reform angeblich erreichen soll.“ Es schade am Ende allen: den Beschäftigten, den Betrieben und den Arztpraxen.

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