Mit einem US-Militärflieger landete John Ratcliffe (o. re.) in Moskau. © IMAGO/William Volcov
Moskau – Nach dem überraschenden Besuch des CIA-Direktors John Ratcliffe in Moskau wird über die möglichen Hintergründe spekuliert. Das Hauptgesprächsthema dürfte die vom russischen Präsidenten Wladimir Putin angekündigte Eskalation des Kriegs gegen die Ukraine sowie die Drohungen gegen Nato-Mitglieder gewesen sein.
Das „Wall Street Journal“ berichtet, dass führende russische Militärs in die russische Exklave Kaliningrad (Königsberg) geflogen seien, um dort die Mobilisierung von Raketen und Soldaten vorzubereiten. Die Raketenstellungen in der an Polen und Litauen angrenzenden Exklave werden von der Nato als größte Bedrohung im Fall einer militärischen Eskalation angesehen. Diese militärischen Vorbereitungen sowie ukrainische Geheimdienstinformationen, wonach Putin eine allgemeine Mobilmachung nach der Parlamentswahl im September plane, könnten die US-Regierung alarmiert haben und Anlass für den CIA-Besuch gewesen sein.
Wie die „New York Times“ berichtete, ergab sich aus Daten des Luftverkehr-Portals „Flightradar“, dass Ratcliffes Maschine acht Stunden in Moskau am Boden geblieben war. Auffällig war in Moskau, dass es am Dienstag keine ukrainischen Drohnenangriffe gab. Laut US-Medien hatten die Amerikaner Kiew gebeten, die Angriffe einzustellen.
In der Nacht zu Mittwoch, also nach Ratcliffes Abreise, startete die Ukraine aber eine neue Welle von Drohnenangriffen gegen Russland. In der Region Lipezk wurden ein Mann und ein 14-jähriges Mädchen getötet, wie die örtlichen Behörden meldeten.
Moskau bestätigte den ersten Besuch Ratcliffes in Russland. Der Chef des US-Geheimdienstes habe dabei „Kontakte“ zu russischen Geheimdiensten gehabt. Ein Treffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin habe es nicht gegeben, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow. Er bezeichnete die Gespräche als „positive Entwicklung“. Putin sei über deren Inhalt informiert worden.
Der Kremlchef hatte am Samstag Kiew vorgeworfen, mit Angriffen auf das russische Hinterland die „Büchse der Pandora“ geöffnet zu haben. Zudem hatten hochrangige Putin-Berater „halbmilitärische Schritte“ gegen Großbritannien angedroht, weil London die Ukraine mit Drohnen und Storm-Shadow-Raketenteilen unterstütze.
Es war der erste bekannte Besuch eines US-Geheimdienstchefs in der russischen Hauptstadt seit November 2021. Damals hatte der CIA-Chef William Burns ein Treffen mit Präsident Wladimir Putin – rund drei Monate vor dem russischen Einmarsch in die Ukraine.
Aber auch das Thema Iran könnte Inhalt der Gespräche gewesen sein. Die Regierung in Moskau unterhält eine enge strategische Partnerschaft mit dem Iran. Der kremlnahe Politologe Sergej Markow glaubt, dass auch der Fund von Sprengstoff-Drohnen auf dem Flughafen Halle-Leipzig Thema der Geheimgespräche war. Die US-Behörden vermuten, dass Russland hinter dem Vorfall steckt. In Deutschland laufen dazu Ermittlungen. KR