Für einen Tag herrschte in Berlin erhöhte Gefahrenwarnstufe: „Wenn Cola light besteuert wird, werd ich zum Wutbürger“, drohte die Grüne Ricarda Lang. Nicht mal gegendert hat sie vor lauter Aufregung. Zu Recht: Zuckersteuer auf zuckerfreie Getränke wäre nichts anderes als politischer Trickbetrug. Dass er damit nicht durchkommt, hat Finanzminister Lars Klingbeil angesichts der heftigen Proteste dann doch eingesehen und zügig den Rückzug angetreten.
Warum man im Finanzministerium die Bürger plötzlich auch vor dem Konsum von Hafermilch, alkoholfreiem Bier und Zero-Getränken schützen wollte, bleibt ein Geheimnis. Aber kein gut gehütetes: Der sparfaule Finanzminister braucht Geld, je mehr, desto besser. Eher drollig klingt seine Beteuerung, es gehe bei der Zuckersteuer ja nicht um zusätzliche Staatseinnahmen. Das ist so, als würde der böse Wolf den sieben Geißlein erklären, dass er eigentlich zum Vegetarier geworden sei, bevor er sie frisst.
Die ganze Regierung, behauptete Lars Klingbeil zunächst noch trotzig, stehe hinter dem Plan. Zumindest CDU und CSU haben den Wählern im Wahlkampf etwas anderes versprochen, ehe sie plötzlich den Teufel Zucker entdeckten. Finanzhungrig waren Regierungen schon immer. Aber es gab mal Finanzminister, die wenigstens beim Erfinden von Ausreden talentierter waren.
Die unnötige Aufregung in Neuhardenberg hätte sich die Regierung gut ersparen können.GEORG.ANASTASIADIS@OVB.NET