Eine beunruhigende Moskau-Reise

von Redaktion

CIA-Chef in Russland

Es liegt in der Natur von Geheimdienst-Treffen, dass die Öffentlichkeit nur darüber spekulieren kann, was der CIA-Chef da in Moskau besprochen hat. Aber beunruhigend ist dieser Besuch in jedem Fall: Die letzte derartige Reise war 2021 der Besuch des damaligen CIA-Chefs William Burns, der im Auftrag von US-Präsident Joe Biden einen letzten, vergeblichen Versuch unternehmen sollte, Wladimir Putin vom Überfall auf die Ukraine abzuhalten. Bei einem weiteren Treffen in der Türkei 2022 warnte Burns Moskau dann eindringlich – und erfolgreich – vor dem Einsatz von Nuklearwaffen in der Ukraine.

Deshalb ist naheliegend, dass auch hinter dieser Visite große Besorgnis der US-Regierung steht: Nach Putins Drohung, dass die Ukraine mit ihren Drohnen-Angriffen aufs russische Hinterland die „Büchse der Pandora“ geöffnet habe, wird befürchtet, dass Russland den Krieg ausweiten will. Laut „Wall Street Journal“ gibt es Geheimdienstinformationen, wonach russische Militärs in der Exklave Kaliningrad Mobilisierungs-Vorbereitungen treffen.

CIA-Chef John Ratcliffe könnte Moskau also vor möglichen Provokationen gegenüber den baltischen Nato-Mitgliedern gewarnt haben.

Aber leider ist Ratcliffe nicht Burns – und Trump nicht Joe Biden. Anders als zu Kriegsbeginn 2022 kann man sich heute nicht mehr so ganz sicher sein, auf welcher Seite der US-Präsident und sein Geheimdienstchef wirklich stehen. So war es Ratcliffe, der als Trumps Geheimdienstkoordinator 2020 von Russland gefälschte Dokumente als Schein-Beweise veröffentlichte, um Hillary Clinton zu diskreditieren. Zudem war Ratcliffe der Chef-Verteidiger seines Präsidenten bei den Untersuchungen zur russischen Einmischung zugunsten Trumps im US-Wahlkampf 2016. Ratcliffe kann also durchaus eine gewisse Russland-Nähe unterstellt werden.

Die Frage ist, ob diese Nähe helfen kann, Putin vor irrationalen Schritten gegen die Nato abzuhalten. Ermutigend klingt dabei immerhin, dass Kiew offensichtlich über die CIA-Mission informiert war: Es gab auf Wunsch der USA keine ukrainischen Angriffe auf russische Städte während des Ratcliffe-Besuchs. Hoffentlich hat es Trump inzwischen doch verstanden: Das entscheidende Stopp-Signal für Putin ist klare Solidarität mit Kiew.KLAUS.RIMPEL@OVB.NET

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