Die Wiesn ist ein Ort der Hendl, Haxn, der Tradition und des Rausches. Das weiß jedes Kind zwischen Flensburg und Untergiesing. Aber neuerdings ist es auch ein Ort der Bevormundung und der Rocklängen-Detektive. Auf dem Teufelsrad sitzen seit 80 Jahren vier Puppen aus Pappmaché. Sie tragen Dirndl und winken in die Menge. Das – leider kein Scherz – missfällt der Gleichstellungsstelle der Stadt München.
Die Chefin des Uralt-Fahrgeschäfts hat einen Brief bekommen, in dem sie aufgefordert wird, der einen Puppe eine schenkelverhüllende Leggings zu verpassen und der anderen Schuhe anzuziehen. Weil die Damen sonst zu sexy sind und die barfüßige Figur mit den Blumen im Haar außerdem eine Hawaiianerin darstellt. Sonst, so die Logik, könnte direkt von der Theresienwiese aus das Tor zur Hölle aufgestoßen werden. Kulturelle Aneignung ist hier das Zauberwort.
Die Wiesn 2026 hat mit Zeltrebell Egger schon absurde Wendungen genommen, aber jetzt schießt die Stadt den Vogel ab. Das weltberühmteste Fest der Lebensfreude wird Opfer einer neuen Prüderie, die kein einziger Besucher einfordert. Weiter daneben liegen kann man nicht.STEFAN.SESSLER@OVB.NET