Uff, er hat es schon wieder getan. Vor einem Millionenpublikum fetzte sich der Kanzler bei RTL mit seinen Bürgern. Mit einer Ärztin, die seine Gesundheitspolitik „menschenverachtend“ nannte. Mit einer Pfarrerin, die seinen Stadtbild-Satz verurteilte. Und einem Unternehmer, der die Brandmauer eingerissen sehen will. Sollte sich Friedrich Merz je vorgenommen haben, gefälliger zu kommunizieren, dann hat er diesen Vorsatz schnell wieder über Bord geworfen. Das ist vielleicht nicht sehr geschickt. Aber ehrlich. Gefällig sein, das konnte niemand besser als Angela Merkel. Sie hat den Leuten die Wohltaten gegeben, die sie für ihre Wählerstimme verlangten. Und das Land so mitten hinein in die Krise geführt, in der es jetzt steckt. Die Ampel hat es danach zwar anders, aber mit Bürgergeld & Co. nicht besser gemacht.
Gefällig zu sein, ist für Merz keine Option. Dann doch lieber Klartext-Kanzler. Die Kassen sind leer. Und auch wenn sich erste kleine Erfolge zeigen, bei Wachstum, Migration und dem neuen deutschen Start-up-Boom, ist Merz nach Aussagen von Vertrauten lange schon über den Moment hinweg, wo er hoffte, für seine Reformen gemocht zu werden. Besonders klar wurde die Bigotterie mancher Kritik im Fall der Ärztin, die ihn als Millionär denunzierte („Wir kennen Ihren Kontostand“) und ihm vorwarf, mit seinen Einsparungen seinen Amtseid zu brechen – bis Merz konterte, dass die ärztlichen Budgets in zehn Jahren um 40% gestiegen seien. So ist es im Schlechte-Laune-Deutschland: Alle schreien nach Reformen, nur nicht bei sich selbst.
Niemand bewirtschaftet die miese Stimmung besser als die AfD. Doch wissen alle, insgeheim auch ihre Wähler, dass ihre Versprechen unbezahlbar sind. Klar könnte die CDU manches Problem, etwa die Migration, noch schneller mit der AfD lösen. Doch sind in Wahrheit alle Angebote der „Alternative“ für eine Zusammenarbeit vergiftet. Eine Partei, deren Chefin die Lüge die „DNA der CDU“ nennt, will keine Kooperation. Sie will, das hat Merz klarer als mancher Parteifreund erkannt, die Union zerstören und mit ihr das Erbe Adenauers: Nato, Westbindung, Europa. Darauf kann die Union sich nicht einlassen. Solange die AfD sich nicht selbst zivilisiert und ihre Leute nicht aufhören, in der russischen Botschaft ein- und auszugehen und an der Auflösung der EU zu arbeiten, ist sie für die Union keine Alternative.GEORG.ANASTASIADIS@OVB.NET