Reykjavík – Island sagt „Nein“ zur EU: Die Einwohner der Vulkaninsel haben die Wiederaufnahme der Beitrittsgespräche in einem knappen Referendum abgelehnt. Den Ausschlag für den Sieg der EU-Gegner mit 52,8 Prozent gaben die Wahlkreise außerhalb der Hauptstadt Reykjavík. Bei hoher Wahlbeteiligung stimmten insgesamt rund 118.000 Menschen gegen die Gespräche, rund 105.000 dafür. Island bleibt damit zwar eng an die Europäische Union angebunden, wird absehbar aber kein vollwertiges Mitglied.
Bis zuletzt hatte die sozialdemokratische Regierungschefin Kristrún Frostadóttir für das „Ja“ der 270.000 Abstimmungsberechtigten geworben – ohne Erfolg. Die Hauptargumentation der Befürworter, der EU-Beitritt würde in unsicheren Zeiten mehr Sicherheit bringen, verfing nicht. Die Gegner hielten dagegen, die Nato-Mitgliedschaft sowie ein 1951 mit den USA geschlossenes bilaterales Verteidigungsabkommen würden ausreichen. Das Misstrauen in US-Präsident Trump schien nicht so ausschlaggebend zu sein.
Wirtschaftlich ist Island auch ohne Mitgliedschaft bereits stark in Europa integriert: Das Land gehört zum Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) und genießt die Vorteile des Binnenmarkts – hat aber kein Mitspracherecht. Vielen Gegnern ging es um die Fischerei. Sie befürchteten, dass durch die EU strengere Regeln kommen könnten. In Island leben sehr viele Menschen vom Fischfang.