Auf Russlands deutsche Freunde ist Verlass

von Redaktion

München – Für Hans-Thomas Tillschneider ist es eine ganz normale Tasse. Bei den Dreharbeiten zu einem „Bild“-Podcast war sie zu sehen, beabsichtigt oder nicht, was zu Nachfragen führte und zunehmender Hektik des AfD-Politikers. Am Ende stellte er sie demonstrativ weg und versuchte im Nachgang, die Veröffentlichung zu stoppen. Der Aufdruck auf der Tasse war ihm dann doch zu heikel: „Armee Russlands“.

Tillschneider ist stellvertretender Fraktionsvorsitzender der AfD in Sachsen-Anhalt und gilt als geistiger Kopf des Landesverbandes, der als „gesichert rechtsextremistisch“ eingestuft wird. Und er ist ein Freund Russlands. Die Tasse ist da nur der offensichtlichste Beleg. Die habe ihm mal jemand geschenkt, sagt er im Podcast. Bei anderer Gelegenheit bezeichnete er sie dagegen als „Mitbringsel“ von einer Reise.

Mit seiner Sympathie für Moskau steht er nicht allein. Aus seiner Partei gibt es etliche Einschätzungen zur Reaktion der Bundesregierung, doch Kritik an Russland sucht man vergebens. Am drastischsten positioniert sich Götz Frömming, der Parlamentarische Geschäftsführer der Bundestagsfraktion. Ohne jeden Beleg bringt er eine Täuschungsaktion Kiews ins Spiel: „Wie hat man die Möglichkeit einer False-Flag-Operation der Ukraine ausgeschlossen?“ Dem Land, so seine Logik, komme „ein durch diese Aktion forcierter Einsatz deutscher Mittel gegen Russland sehr zupass“. Russland wiederum könne an einer Attacke gar kein Interesse haben. Zur Erinnerung: Die Drohnen wurden in der Nähe ukrainischer Transportflugzeuge entdeckt.

Auch Ulrich Siegmund, Spitzenkandidat in Sachsen-Anhalt, macht aus seiner Sympathie für Moskau kein Hehl. Gegenüber dem Portal „The Pioneer“ fordert er mehr Diplomatie und wirft Berlin vor, durch die Unterstützung Kiews den Kreml provoziert zu haben: „Es ist doch logisch, dass dann irgendwann mal welche Gegenreaktionen erfolgen.“ Parteifreund Markus Frohnmaier, Fraktionsvize im Bundestag, verlangt von der Bundesregierung, ihre geheimdienstlichen Erkenntnisse offenzulegen. Vor allem die Schließung des Russland-Hauses dürfte ihm missfallen. Er gehe da „gerne zum Mittagessen hin“, hat er mal erzählt.

Auf Russlands Freunde ist eben Verlass, auch auf Sahra Wagenknecht. Die findet, der Kanzler führe das Land „immer näher an einen Krieg mit Russland“. Dabei gehe es doch bloß um „eine Drohne, die keinerlei Schaden angerichtet hat“. Bei ihr klingt es, als sei alles halb so schlimm gewesen.MB

Artikel 10 von 11