Putin nennt die deutsche Antwort auf die Drohnenangriffe in Leipzig einen „schweren Fehler“, und Alt-Stalinistin Sahra Wagenknecht und der russische Botschafter warnen wie aus einem Mund vor einer „brandgefährlichen Eskalation“ – durch die Bundesregierung wohlgemerkt. Da sind die Richtigen beisammen, um vor der Sachsen-Anhalt-Wahl die ostdeutsche Volksseele noch mal richtig zu massieren und Kriegsangst zu schüren.
Richtig ist auch hier das Gegenteil des von der Kreml-Propaganda Behaupteten: Mit ihrem Katalog ist die Regierung am Unterrand möglicher Vergeltungsmaßnahmen geblieben. Doch ist es klug, Möglichkeiten in der Hinterhand zu behalten, um auf weitere Provokationen reagieren zu können. Eine härtere Antwort jetzt wäre ganz nach dem Geschmack des Kremls gewesen, weil es dem „Kriegstreiber“-Geschrei seiner Freunde in der AfD Vorschub geleistet hätte. Für die Partei der „Patrioten“ ist nicht Putin der Täter, sondern Merz.
„Wir befinden uns nicht im Krieg, aber wir sind tägliches Ziel hybrider Kriegsführung“, warnt Bundesinnenminister Dobrindt. Die Deutschen sind das Hauptangriffsziel von Putins Schattenkrieg gegen Europa. Sie sind es, die in Putins Augen entscheiden, ob Europa die Ukraine fallen lässt oder nicht. Und im Kreml weiß man, wie man Gegner einschüchtert. Schon droht Dmitri Medwedew, Vizechef des russischen Sicherheitsrats, mit einem „direkten Schlag“ gegen deutsche Rüstungsbetriebe. Ein Knall am Augsburger Bahnhof, Anschläge auf Umspannwerke in NRW und Brandenburg, und schon fragt sich das ganze Land bang, ob auch dahinter die unsichtbare Hand Putins steckt. Von da bis zur Hysterie ist es nicht weit.
Politiker sind da klug beraten, ihre Worte vorsichtig zu wählen. FDP-Chef und Sachsen-Anhalt-Wahlkämpfer Wolfgang Kubicki tat das nicht, als er, gemünzt auf den „Sie werden dafür bezahlen“-Satz des Kanzlers, schwadronierte: „Einer Atommacht droht man nicht.“ Berlin droht Moskau nicht, aber es lässt sich auch nicht alles gefallen. Wer da gleich die Atomgefahr beschwört, betreibt das Geschäft von Wagenknecht & Co. Deutschland braucht nicht noch mehr fünfte Kolonnen des Kremls, sondern gute Nerven, wenn es nicht zum Befehlsempfänger Putins werden will.GEORG.ANASTASIADIS@OVB.NET