Kampf um Volkswagen: Auf die harte Tour

von Redaktion

Vorstand will vier Werke schließen

High Noon in Wolfsburg: Vier Werke mit zehntausenden Stellen will der Vorstand des größten deutschen Autobauers schließen. Weil VW sonst in wenigen Jahren pleitegehe. Alles deutet darauf hin, dass der Plan durchgeht. Die von der Konzernspitze geforderten harten Einschnitte hatten Gewerkschaften und das rot-grün regierte Niedersachsen im Juli im Aufsichtsrat mit ihrer Mehrheit noch gestoppt. Auch jetzt wieder drohte die IG Metall, den „Werkboden brennen“ zu lassen. Doch sie hat wohl zu hoch gepokert. Denn nun versuchen die Eigentümerfamilien Piëch und Porsche auf die harte Tour, dem staatlich mitbestimmten VW-Konzern ihren Willen aufzuzwingen.

Der ewige Verweis auf Management-Fehler, falsche Modelle und den Abgasskandal greift zu kurz. Keine noch so guten Modelldesigner können wettmachen, dass ein VW-Mitarbeiter im Schnitt 13,5 Autos im Jahr produziert, ein Toyota-Angestellter aber mehr als das Doppelte schafft. Deutschland zahlt die höchsten Löhne, und am überteuerten Industriestandort produziert der Koloss VW auch noch mit dem weltweit höchsten Personaleinsatz. Das kann nicht gut gehen, erst recht, weil sich E-Autos mit viel weniger Arbeitern herstellen lassen und der übermächtige Rivale China den Wettbewerb massiv verschärft. BMW und Daimler reagierten früher auf Marktsignale als der politisch gefesselte Dinosaurier VW. Ihnen geht es heute besser, obwohl der Orkan auch sie umtost.

Anderswo regiert die Vernunft – in Wolfsburg die Juristen. Kapitalseite und IG Metall liefern sich Schlachten, ob der Aufsichtsrat die Werksstreichungen stoppen kann (eher nicht). Doch selbst wenn, bliebe den Eigentümern die Einberufung einer außerordentlichen Hauptversammlung. Dort könnten die Aktionäre beschließen, dass der Aufsichtsrat pflichtwidrig handelt, da er die Zukunft von VW gefährde. Dann wäre die Macht von Politik und Gewerkschaften in Wolfsburg gebrochen.

Kurios: Während linke Aktivisten den Kampf gegen die Rüstungsindustrie als neue Spielwiese entdeckt haben, ruhen die Hoffnungen der rot-grünen Landesregierung und der Arbeitnehmer darauf, mehr Rüstungsaufträge zu ergattern. Vielleicht sollte sich die Linke mal darüber klar werden, was sie will: ein gutes Gewissen – oder Jobs für hunderttausende Menschen?GEORG.ANASTASIADIS@OVB.NET

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