Ein Desaster für den Kanzler

von Redaktion

Die CDU nach der Landtagswahl

Ulrich Siegmund konnte sich Hohn nicht verkneifen: Der große Wahlsieger von Sachsen-Anhalt lobte seinen „sehr guten Wahlkämpfer“ – Friedrich Merz. Schon bevor die ARD am Sonntagabend die erste Prognose veröffentlichte, hatte man auf die Beliebtheitswerte der Berliner Parteispitzen geblickt: Gerade mal neun Prozent der von Infratest dimap befragten Wähler erklärten, sie seien mit der Arbeit des Kanzlers und CDU-Vorsitzenden zufrieden. Entsprechend implodierte seine Partei. Das konnte die einsilbige Generalsekretärin Franziska Hoppermann nicht schönreden.

Ja, die Wahlschlappe der Union hatte sich abgezeichnet. Aber das Ausmaß am Wahlabend überraschte dann doch. Die erste Hochrechnung lag noch einmal fünf Prozentpunkte schlechter als die letzten Umfragen. Eigentlich hatte das Anti-AfD-Lager darauf gehofft, von einer hohen Wahlbeteiligung zu profitieren. Doch es war die AfD, die mobilisierte – gegen das Establishment, gegen die Berliner Regierungspolitik und eben auch gegen den Bundeskanzler. Dieses Ergebnis ist ein Desaster für Friedrich Merz.

Für die Union stellen sich nun ganz grundsätzliche Fragen. Über den Sommer war es gelungen, die Gerüchte über einen fliegenden Kanzlerwechsel zu Hendrik Wüst zu beruhigen. Auch, weil es durchaus Zweifel an der Eignung des NRW-Ministerpräsidenten für das Bundeskanzleramt gibt. Flammen sie trotzdem wieder auf? Oder halten alle die Füße still, weil in 14 Tagen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin gleich die nächsten Wahlen anstehen?

Der Absturz in Sachsen-Anhalt ist für Merz doppelt bitter, schließlich galt er einst gerade in der Ost-CDU als Hoffnungsträger gegen die AfD. Quasi als Anti-Merkel. Ein überzeugter Konservativer, mit einem klaren Fokus auf Wirtschaftspolitik und einer deutlichen Positionierung bei Migration und Innerer Sicherheit. Trotz dramatisch gesunkener Zuwanderungszahlen hat er die Menschen nicht überzeugt.

Artikel 8 von 11