Hacker stellen Daten ins Darknet

von Redaktion

Bürgermeister Wegner, Innensenatorin Spranger. © dpa

Berlin – Nach einem Hackerangriff auf die Berliner Landesverwaltung werden das Ausmaß des Datenlecks und die Folgen der Veröffentlichung großer Datenmengen im Darknet nach und nach bekannt. Zwei Wochen vor der Abgeordnetenhauswahl wirft die Opposition dem schwarz-roten Senat schlechtes Krisenmanagement vor. Auch der IT-Experte Manuel Atug erhebt Vorwürfe.

„Das Land Berlin hat grob fahrlässig gehandelt und vorsätzlich die Geheimschutz-Vorgaben nicht eingehalten“, sagte Atug. „Ich bin darüber wirklich schockiert und sprachlos.“ Für die Speicherung und Verarbeitung geheimer Verschlusssache-Unterlagen gebe es sehr strenge Vorschriften und mehrere Sicherheitsstufen. Offenbar seien diese nicht ausreichend angewandt worden.

Atug ist Gründer und Sprecher der AG Kritis, die sich mit kritischen Infrastrukturen beschäftigt. Darunter versteht man all jene Bereiche, deren Beeinträchtigung oder Ausfall zu Versorgungsengpässen, Störungen der öffentlichen Sicherheit und anderen dramatischen Folgen führen kann. Dazu gehören etwa Energie, Informationstechnik, Transport, Verkehr, Gesundheit, Wasser, Ernährung, Finanz- und Versicherungswesen, Staat und Verwaltung und Medien.

Nach einem Cyberangriff auf die Berliner Verwaltung wurden am Freitag rund 1,44 Millionen Dateien mit einem Umfang von 5,8 Terabyte im Darknet veröffentlicht. Die kriminelle Hackergruppe Rhysida hatte die Daten Mitte August unbemerkt abgezogen und ein Lösegeld von 30 Bitcoin (rund zwei Millionen Euro) gefordert. Der Senat zahlte nicht.

Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) sagte der „Bild“, man prüfe, welche Informationen abgeflossen seien. Ziel sei es nun, mögliche Betroffene schnell zu identifizieren und zu informieren. Laut „Tagesspiegel“ veröffentlichten die Hacker neben zahlreichen personenbezogenen Daten auch Inhalte, die für die Sicherheit der Bundesrepublik und der Hauptstadt relevant sind. Es gehe etwa um Daten von Heizkraftwerken, Tanklagern, Notstromanlagen, aber auch von Gefängnissen, Wasserwerken und Rüstungsunternehmen.

Jochim Selzer, Sprecher des Chaos Computer Clubs, hat sich einige abgeflossene Daten angeschaut. Dabei habe er sensible Informationen über den Zustand der Wasserversorgung in Berlin gefunden. Außerdem gescannte Reisepässe ohne Schwärzung, Arbeitsverträge, Bewerbungsunterlagen oder Krankmeldungen.

Linke-Spitzenkandidatin Elif Eralp sprach von einem „krassen Regierungsversagen der CDU“. Grünen-Spitzenkandidat Werner Graf kritisierte, es gebe noch keinen Plan, wie man mit der Gefahr umgehe, Betroffene schütze und warne und die Sicherheit besser organisiere. „Die Woche verstrich ohne erkennbare Vorkehrungen. Das ist ein Skandal.“

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