Die CDU in der Todeszone

von Redaktion

Die Bundesregierung wankt

Friedrich Merz, der Schmerzensmann der Union, konnte gar nicht so schnell schauen, wie seine Koalition am Sonntagabend zerbröselte: Die ruinösen CDU-Werte waren kaum über den Ticker gelaufen, da sägte SPD-Chef Klingbeil bereits am unpopulären Reformkurs. Mit der Implosion im Osten hat der Kanzler auch beim schlingernden Partner viel Autorität verloren. Für die Genossen, die in Sachsen-Anhalt noch von den Stimmen taktisch wählender CDU-Anhänger profitierten, gilt jetzt: Rette sich, wer kann. Eine SPD, die ums eigene Überleben kämpft, kann sich nicht auch noch ums Land kümmern.

Zieht die SPD ihre Zusagen bei Rente & Co tatsächlich zurück – und bleibt sie auch nach den Wahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern dabei – wäre Schwarz-Rot die Geschäftsgrundlage entzogen. Denn dann wäre auch der Rest der Merz‘schen Reformpolitik Makulatur. Es ist die Tragik des Friedrich Merz, dass er immer das Richtige wollte, aber erst gerufen wurde, als Angela Merkel das Vertrauen in die CDU und die Mehrheiten schon verspielt hatte. Die AfD ist ihr schweres Erbe für die deutsche Demokratie. Eigene Fehler kamen hinzu. Der Wahlkampf im Osten bot ein Bild des Jammers: Während AfD-Volksliebling Siegmund Vollbäder in der Menge nahm, musste die CDU ihren Kanzler vor den Wählern verstecken wie eine schlimme Krankheit.

Ein Kanzler, der sein Volk nicht erreicht, kann nicht erfolgreich sein; seine gestrige Beteuerung, er wolle ab jetzt mehr erklären, klang ratlos. Nach der Halbierung im Osten muss jeder begreifen: Für die Union geht es ums nackte Überleben, darum, nicht auf dem Friedhof der anderen europäischen C-Parteien zu verschwinden. Die düstere Weissagung von AfD-Chefin Alice Weidel, CDU und CSU würden nie mehr Bundestagswahlen gewinnen, klingt wie ein Fluch der bösen Hexe im Märchen – aber er könnte sich erfüllen, wenn die Union den ihr von der AfD aufgezwungenen Kampf auf Leben und Tod nicht annimmt. Dazu gehört, innerparteiliche Zänkereien sein zu lassen und mit dem stärksten Kandidaten anzutreten, so wie es die AfD mit Siegmund getan hat. Das ist im Fall der Union nicht der unnahbare Merz, nicht der merkelhafte Wüst. Sondern Markus Söder.GEORG.ANASTASIADIS@OVB.NET

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