Kriegsverbrecher verherrlicht

von Redaktion

Banner mit dem Bild des früheren Armeechefs Mladic wurden bei der Beisetzung gehisst. © Oliver Bunic/AFP

Belgrad – Tausende Menschen haben am Montag in der serbischen Hauptstadt Belgrad Abschied von dem in Haft in Den Haag gestorbenen Kriegsverbrecher Ratko Mladic genommen. Schon am Morgen bildete sich eine lange Schlange vor der St.-Lukas-Kirche, in welcher Mladics Sarg aufgebahrt war, bevor er am Nachmittag beigesetzt wurde. Die EU verurteilte die „Verherrlichung von Kriegsverbrechern“ in Serbien, das EU-Mitglied werden will.

Viele der Menschen trugen Mladic glorifizierende T-Shirts und warteten Stunden, um dem Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen. Mladics Sohn Darko, der offiziell als Veranstalter der Trauerfeier galt, stand am Eingang der Kirche.

Im Innenraum küssten Trauernde den mit Medaillen und der für Mladic typischen Offiziersmütze geschmückten Sarg, an dem eine Ehrenwache stand, während orthodoxe Priester Gebete sprachen. Unter den Gästen war der russische Botschafter in Serbien.

Mladic wird trotz seiner Verurteilung von serbischen Nationalisten weiter als „Held“ verehrt, besonders in der bosnischen Teilrepublik Republika Srpska. Von dort waren Menschen mit Bussen angereist. Auf einem Banner stand: „Willkommen, General, Dank sei Deiner Mutter gegeben, dass sie einen Helden geboren hat, sodass der Ruhm des Serbentums zurückkehren mag.“

Die Rentnerin Radojka Visic aus dem bosnischen Banja Luka sagte, sie sei gekommen, um einen „Nationalhelden“ zu verabschieden. „Sie konnten uns auf dem Schlachtfeld nicht besiegen, deshalb haben sie ihn ins Gefängnis gesteckt und dort gefoltert.“ Der ehemalige bosnisch-serbische Armeechef war am 27. August in einem Krankenhaus in Den Haag gestorben, wo er eine lebenslange Haftstrafe wegen Völkermords, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit während des Bosnien-Krieges (1992 bis 1995) verbüßte. Sein Name ist untrennbar mit dem Massaker von Srebrenica im Juli 1995 verbunden, bei dem bosnisch-serbische Truppen unter seinem Kommando etwa 8000 muslimische Männer und Jungen ermordet hatten.

Schon letzte Woche wurde sein Leichnam mit militärischen Ehren empfangen. Die Ankündigung von Justizminister Nenad Vujic, wonach Mladic mit „militärischen und staatlichen Ehren“ beerdigt werden sollte, hatte in Brüssel Empörung ausgelöst. Aus Protest sagte EU-Erweiterungskommissarin Marta Kos einen Besuch bei dem EU-Beitrittskandidaten ab.

Artikel 1 von 11