Minister Rainer: „Es herrscht eine massive Krise“

von Redaktion

„Nicht zur Tagesordnung übergehen“: Alois Rainer. © AFP

München/Berlin – Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer steht vor gewaltigen Herausforderungen. Durch die schlechte Ernte drohten Bauern „teils gravierende Ertragseinbußen“, sagt der CSU-Politiker.

Welche Folgen hat die Wetterlage für die Erträge?

Sie sprechen den Erntebericht an, den ich letzte Woche vorgestellt habe. Die Trockenheit sorgt regional für sehr unterschiedliche Ergebnisse – mit teils gravierenden Ertragseinbußen. In Mecklenburg-Vorpommern liegt der Ertrag beim Raps etwa 25 Prozent unter dem Durchschnitt, beim Winterweizen verzeichnen wir bundesweit ein Minus. Bei der Getreideernte insgesamt muss der Süden starke Verluste hinnehmen. In Bayern liegt die Ernte mit minus 8,6 Prozent deutlich unter dem mehrjährigen Durchschnitt. Bei Herbstkulturen wie Zuckerrüben und Kartoffeln müssen wir abwarten. Aber wir müssen auch da mit Ernteverlusten rechnen. Die Erntezahlen allein bilden aber die Gesamtlage nicht ab. Unsere Landwirtschaft befindet sich in einer massiven Krise von nationaler Tragweite. Es geht nicht darum, jede Ertragsschwankung staatlich auszugleichen. Wenn aber die Substanz unserer Betriebe und damit Produktionskapazitäten dauerhaft gefährdet sind, dann dürfen wir nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Wir müssen dort gezielt unterstützen, wo Betriebe unverschuldet in Schwierigkeiten geraten.

Müssen wir uns dauerhaft auf niedrigere Ernten einstellen?

Fakt ist: Wir befinden uns mitten im Klimawandel. Trockenphasen, Hitze und Extremwetter nehmen zu und stellen die Landwirtschaft vor Herausforderungen. Darauf müssen wir uns einstellen, aber nicht, indem wir die Hände in den Schoß legen. Wir fördern die Klimaanpassung in der Landwirtschaft auf vielfältige Weise: Auf dem Acker, etwa durch Förderprogramme zum Humusaufbau im Boden, damit er mehr Wasser hält. Aber auch in der Wissenschaft, etwa durch unsere Forschungsförderung für hitzeresistenten Backweizen. In der Forschung für klimaresilientere Pflanzen können auch die neuen genomischen Techniken eine große Rolle spielen.

Was halten Sie von der Zuckersteuer?

Ich bin kein Freund der Zuckersteuer – das habe ich oft schon betont. Studien zeigen kaum Lenkungswirkung bei Übergewicht oder Gesundheit. Allerdings geht es hier um einen Teil der vom Koalitionsausschuss beschlossenen GKV-Finanzreform. Ich bin Demokrat und trage diese Entscheidung selbstverständlich mit, aber nichts, was darüber hinausgeht.

Interv.: C. Dankbar/A. Schmid

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