Steffen Krach, Spitzenkandidat der SPD für die Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus, vor seinen Wahlplakaten. © Kalaene/dpa
München – Das nennt man wohl einen Paukenschlag auf dem Höhepunkt des Wahlkampfes: Eineinhalb Wochen vor dem Urnengang und mitten in der Briefwahl in Berlin hat die Staatsanwaltschaft Hannover Ermittlungen gegen den SPD-Spitzenkandidaten Steffen Krach aufgenommen. Der „Tagesspiegel“ berichtete, in Berlin seien Krachs Schöneberger Wohnung und die SPD-Landesparteizentrale in Wedding durchsucht worden. Auch in Hannover gab es offenbar Durchsuchungen. Zu den konkreten Vorwürfen äußerte sich die Staatsanwaltschaft nicht, laut Medienberichten geht es offenbar um Bestechlichkeit.
Ganz egal, wie viel an solchen Vorwürfen dran ist – es gilt natürlich die Unschuldsvermutung –, politisch kommen sie zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt. Der 47-jährige Krach kämpft seit Wochen mit schlechten Werten – seine SPD liegt bei Infratest und Forsa nur bei elf beziehungsweise zwölf Prozent, lediglich Insa sieht sie bei 15 Prozent. So oder so: Linke, AfD, CDU und Grüne schneiden fast überall besser ab. Das wäre Platz fünf für die Genossen, die mit Franziska Giffey noch bis April 2023 die Regierende Bürgermeisterin stellten.
Krach selbst ist eigentlich eher Niedersachse als Berliner. Geboren wurde er in Hannover, wo er aufwuchs und sein Abitur machte. Dann studierte er zunächst in Göttingen. Später lebte er zwar etliche Jahre in Berlin, zog dann aber 2021 zurück und wurde zum Regionspräsidenten der Region Hannover gewählt. Von dieser Tätigkeit ließ Krach sich erst 2025 wegen seiner Spitzenkandidatur beurlauben. Aus dieser Zeit stammen nun auch die Vorwürfe, die die Grundlage für die Durchsuchungen sind.
Konkret geht es um ein schon länger laufendes Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Hannover, die den Verkauf eines 30.000 Quadratmeter großen Grundstücks des früheren Krankenhauses in Lehrte untersucht. Es ging an eine Unternehmensgruppe aus der Region, die sich in einem Bieterverfahren durchsetzte. Untersucht wird, ob dieses Bieterverfahren regelkonform ablief. Krach war als Kommunalpolitiker beteiligt. Ein Sprecher der Berliner SPD erklärte: „Als SPD Berlin und im Namen unseres Landesvorsitzenden und Spitzenkandidaten Steffen Krach weisen wir die Unterstellungen in aller Entschiedenheit zurück. Selbstverständlich kooperieren wir mit den Behörden vollumfänglich, um diese haltlosen Unterstellungen auszuräumen.“
Klar ist: Bis zum Wahltag, dem 20. September, wird es keine Aufklärung der möglichen Vorwürfe geben. Aber die Hauptstadt-SPD werfen die Schlagzeilen weiter zurück. Ohnehin kämpft sie in Berlin mit einem Glaubwürdigkeitsproblem: Sie war mehrere Jahre Teil der schwarz-roten Regierung, möchte sich vor der Wahl aber wieder deutlich sozialdemokratischer präsentieren – der Druck durch die starke Linkspartei ist groß. Krach stemmte sich mit großem Fleiß gegen die Umfragen: „Kein Konkurrent ist so präsent wie er“, schrieb unlängst der „Tagesspiegel“ wohlwollend.
Jetzt beherrscht er die Schlagzeilen allein. Aber nicht so, wie er es sich vorgestellt hatte.