Forschung agiert nicht im politikfreien Raum

von Redaktion

Streit um E-Auto-Studie der TUM

Es ist ein außergewöhnlicher Vorgang: Zwei Professoren der TU München streiten öffentlich über eine Studie, die kürzlich eine fatale Außenwirkung erzeugt hat. Eigentlich bescheinigt die Studie E-Autos, zunehmend weniger CO₂ zu emittieren als der Verbrenner. Aber ob ein Glas halb voll oder halb leer ist, darüber entscheidet halt auch die Präsentation. Und die ging für die TUM ordentlich in die Hose. „Nur“ 41 Prozent seien es bisher, hieß es in der Vorabinfo, gepaart mit Kritik, die EU dürfe nicht nur am Auspuff messen.

Rumms! Da fiel bei der „Bild“ gleich die Autotür zu. Die TUM stelle E-Autos als Klimaretter frontal infrage, schrieb das Boulevardblatt. Und Markus Söder erklärte die Studie zum wissenschaftlichen Beweis für ein Aus vom Verbrenner-Aus. Objektiv betrachtet natürlich Quatsch, aber der Schaden war angerichtet – was Professor Markus Lienkamp zu harscher öffentlicher Kritik am Studienmacher, immerhin ein Professoren-Kollege, veranlasste.

Dass beide sich jetzt einem Streitgespräch in unserer Zeitung stellten, ist ein kluger Schachzug, um die Studie ins richtige Licht zu rücken. Und es muss ein Wachrüttler sein. Forschung ist frei, der Wahrheit und der Objektivität verpflichtet. Gut so. Aber sie agiert nicht mehr im politikfreien Raum. Früher erschienen Studien in Fachblättern, heute gehen Universitäten damit offensiv nach außen. Das erfordert ein neues Feingefühl bei der Präsentation, damit einem die Studie nicht plötzlich im Munde umgedreht wird.WOLFGANG.HAUSKRECHT@OVB.NET

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