Noch kämpft der Kanzler

von Redaktion

Schlacht mit der AfD im Bundestag

In Sachsen-Anhalt hat die AfD mit Ulrich Siegmund ihr freundliches Gesicht hervorgekehrt. Im Bundestag zeigten AfD-Chefin Alice Weidel und die Ihren gestern ein ganz anderes: vulgär, hassverzerrt, unsympathisch. Selten hat sich eine Partei im hohen Haus mit lärmenden Pöbeleien so daneben benommen, wie es die AfD während der gesamten Rede des Kanzlers tat. Im Rausch des Sieges fallen bei den Rechtsradikalen alle Hemmungen.

„Sie wollen unser Land destabilisieren“, schmetterte der Kanzler, immer noch der stärkste Debattenredner der Republik, Weidels düsterer Untergangserzählung und dem Geschrei ihrer Freunde entgegen. Das steigerte sich zum Tumult, als Merz die Rechten einer geplanten „ethnischen Säuberung“ bezichtigte. Doch hatte die AfD-Chefin keine Mühe, den wundesten Punkt des Kanzlers zu treffen. Dafür genügte ihr ein einziger süffisanter Satz: „Ihre Zeit ist abgelaufen.“

Dafür gibt es Anhaltspunkte: Aus der dritten Reihe mehren sich Rücktrittsforderungen an Merz. Und die Reservekanzler Hendrik Wüst und Markus Söder positionieren sich bereits. Der CSU-Chef, der es als vielleicht Einziger an Durchtriebenheit mit der AfD aufnehmen könnte, ließ diese Woche keinen TV-Auftritt aus, ging sachte auf Distanz zu Merz und auf Maximalabstand zu Wüst. Der NRW-Chef hatte zuvor mit dem Vorschlag, als Konsequenz auf den Wahltriumpf der AfD deren Verbot zu prüfen, ebenso lautstark auf sich aufmerksam gemacht und für Freude bei Grünen und SPD gesorgt. Das Signal lautet: Wenn die Bürger uns nicht mehr wählen, ändern wir nicht unsere Politik, sondern annullieren das Wahlergebnis. Geht‘s eigentlich noch dümmer? Derweil rettete sich Wahlverlierer Sven Schulze in Sachsen-Anhalt auf den Posten des Fraktionschefs, statt Verantwortung für die Niederlage zu übernehmen. Im Ernst: Sieht so das „Wir haben verstanden“ der CDU an ihre verlorenen Wähler aus?

Der Kanzler ist lange genug im Geschäft, um zu wissen, was das heillose Durcheinander in seiner Union bedeutet. In der Generaldebatte des Bundestags hat er als Anführer der politischen Mitte den Rechtsradikalen ein großes Gefecht geliefert. Es könnte aber auch sein letztes gewesen sein.GEORG.ANASTASIADIS@OVB.NET

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