Dass der Ton bei der Bundeswehr rauer ist als im zivilen Leben, muss niemanden überraschen. Verstörender ist da schon, wenn die jüngsten Zahlen zu Fällen von sexueller Belästigung einen deutlichen Aufwärtstrend zeigen. Armeen, egal in welchem Land, waren immer schon ein maskulin geprägter Ort mit Verhaltensweisen, die manchmal jede Grenze überschritten. Das ist auch heute so, obwohl sich die Gesellschaft fundamental gewandelt hat und bei groben Belästigungen, aber auch bei vermeintlich subtilen Anzüglichkeiten zum Glück sehr viel genauer hinschaut und -hört.
Zur Wahrheit hinter den Zahlen gehört deshalb auch, dass der Anstieg keine wachsende Verrohung bedeuten muss. Zumindest teilweise hängt der Trend damit zusammen, dass die Hemmschwelle, ab der man einen Vorfall öffentlich macht, gesunken ist. Statt schamhaft oder aus falsch verstandener Solidarität zu schweigen, wird klar eine Grenze gezogen. Dass das kurzfristig das Klima belasten kann, muss sich verkraften lassen in einem Umfeld, das noch mit ganz anderen Konfrontationen zu tun hat. Langfristig profitiert die Bundeswehr von einer konsequenten Ahndung allemal.
Der offensive Umgang bereits mit kleineren Vergehen (mit größeren sowieso) liegt in ihrem Interesse. Die Ziele, wie weit die Truppe ohne Wehrpflicht anwachsen soll, sind ehrgeizig. Wenn sie erreicht werden sollen (was mehr als fraglich ist), muss die Bundeswehr ein glaubhaft guter Arbeitgeber sein – für alle, aber ganz besonders für Frauen. Angestrebt wird ein Soldatinnen-Anteil von 20 Prozent. Aktuell sind es nicht mal 14.