Bischof Wilmer beim Jahresempfang in Berlin mit SPD-Fraktionschef Matthias Miersch (l.) und Bildungsministerin Karin Prien. © Sowa/DBK
Berlin/Münster – Auch angesichts des jüngsten Erfolgs der AfD bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt bleibt die katholische Kirche bei ihrer ablehnenden Haltung gegenüber der Partei. „Die AfD stellt die Grundwerte unseres Zusammenlebens infrage“, sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Heiner Wilmer, in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. „Die AfD möchte ein anderes Deutschland im Blick auf unsere Grundwerte und auf unsere Demokratie. Das ist mit uns nicht nur nicht zu machen, sondern da positionieren wir uns klar dagegen und stellen dem Menschenwürde, Nächstenliebe und Demokratie entgegen.“
Wilmer hält es für denkbar, dass die AfD im Fall einer Regierungsübernahme in Sachsen-Anhalt konkrete Maßnahmen gegen die Kirchen ergreift. „Ich bin da nicht naiv“, sagte er. Die AfD will unter anderem den Kirchensteuereinzug beenden und auch das Kirchenasyl nicht mehr dulden. Darunter versteht man, dass ein Mensch, der zum Beispiel von Abschiebung bedroht ist, vorübergehend Schutz in einer Kirche erhält.
Die Deutsche Bischofskonferenz hatte 2024 die Erklärung „Völkischer Nationalismus und Christentum sind unvereinbar“ veröffentlicht. Diese habe weiterhin Gültigkeit, sagte Wilmer. Unter den Bischöfen herrsche hier vollkommene Einigkeit. Die Erklärung sei vor zwei Jahren einstimmig von allen gut 60 katholischen Bischöfen in Deutschland angenommen worden. „Wenn es um die Würde eines jeden Menschen geht – und das schließt insbesondere Menschen mit Flüchtlingserfahrungen oder einer anderen Herkunft selbstverständlich ein –, halten wir zusammen.“
Wilmer betonte, dass die Kirche mit den Menschen, die AfD wählen, im Gespräch bleiben müsse. „Gleichzeitig haben wir Treue gegenüber dem Evangelium gelobt und gegenüber der christlich-jüdischen Tradition.“ Diese habe als zentrales Element, dass alle Menschen die gleiche Würde haben, unabhängig von ihrer Herkunft, sozialen Schicht, Gesundheit, Alter, Religion. „Diese Grundhaltung ist für uns nicht verhandelbar“, unterstrich Wilmer. „Und wir können uns auch nicht nur auf die eigene Gruppe, die eigene Nation oder dergleichen beschränken. Als Christen haben wir einen klaren Auftrag für die ganze Welt. Wir sind eine Menschheitsfamilie. Wir gehören alle zusammen.“
Beim St. Michael-Empfang in Berlin machte sich Wilmer stark für die Demokratie: „Wir widersprechen, wenn Angst gegen Solidarität ausgespielt wird. Wir widersprechen, wenn Menschen gegeneinander in Stellung gebracht werden. Wir widersprechen, wenn demokratische Institutionen geschwächt werden.“ Maßstab der Kirche sei weder Parteipolitik noch Ideologie: Maßstab sei das Evangelium.