Wer Wahlen kaufen will, hat schon verloren

von Redaktion

Trumps Midterm-Geschenk

Das Bemerkenswerte an Donald Trump ist, dass er völlig ohne Selbstzweifel auskommt – selbst jetzt, da den Republikanern seinetwegen eine schwere Niederlage bei den wichtigen Zwischenwahlen droht. Die Empfehlung des Makellosen: Alle sollten bitteschön so tun, als stehe er selbst auf dem Wahlzettel und nicht etwa die republikanischen Kandidaten. Das ist gerade so, als würde er seinen Parteifreunden Gift als Heilmittel verkaufen.

Kein Zweifel: Der Republikaner ist nach wie vor ein begnadeter Mobilisierer. Aber nach zwei Jahren Amtszeit, in denen seine Kriegs- und Zollpolitik das Leben in den USA entgegen aller Versprechungen und Hoffnungen spürbar verteuert hat, zieht die Trump-Show alleine nicht mehr. Nur noch ein Drittel der Wähler findet seine Politik gut, viele durchschauen die billigen Vorwahl-Manöver. Beispiel: Gerade lässt er günstiges Rindfleisch aus Argentinien importieren, um die heimischen Preise zu drücken. Dass die US-Farmer, eigentlich Kernklientel der Republikaner, Sturm dagegen laufen würden, hätte jeder geahnt, der nicht an die eigene Unfehlbarkeit glaubt.

Vieles deutet darauf hin, dass Trump seine großspurig inszenierte, aber im Kern schädliche Politik im November auf die Füße fällt. Das Schicksal, im Kongress keine eigene Mehrheit zu haben, teilten zwar schon viele Präsidenten vor ihm. Aber für jemanden, der nicht auf parlamentarische Vermittlung und Konsens, sondern auf Durchregieren setzt, ist das eine denkbar schlechte Situation. Dass er den Amerikanern nun auch noch offen Geld für den Wahlsieg bietet (5000 Dollar für jeden Erwachsenen, wenn die Republikaner siegen), spricht für sich. Ausgerechnet er, der seit Jahren behauptet, um die Präsidentschaftswahl 2020 betrogen worden zu sein, will sich nun eine Wahl kaufen.

Trump scheint die US-Amerikaner für ausgesprochen blöd zu halten – oder für ähnlich raffgierig wie er selbst. Aber ein nicht unerheblicher Teil der Wähler registriert sehr genau, dass ihr Präsident nicht für ihr Wohlergehen Politik macht, sondern allein für sich. Die einzige dünne Chance der Republikaner liegt in der schwachen Performance der Demokraten. Ganz sicher nicht in ihrem Präsidenten.

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