Schwedens Chefpopulist Jimmie Åkesson. © afp/epa
München – Jimmie Åkesson will nichts überstürzen, die Zeit spielt schließlich für ihn. Regierungschef? Wolle er frühestens in vier Jahren werden, sagte er kürzlich – oder noch später. Das war keine Bescheidenheit, sondern Strategie. Man könnte sagen, der 47-Jährige pirsche sich langsam an die Macht in Stockholm heran. Am Sonntag will er den nächsten Schritt gehen.
Dann wählt Schweden ein neues Parlament und Åkesson, Chef der rechtspopulistischen Schwedendemokraten (SD), kann sich Hoffnungen machen, künftig eine noch größere Rolle zu spielen. Bisher sind die Rechten zwar nicht Teil der Mitte-Rechts-Regierung, stützen sie aber und nehmen inhaltlich großen Einfluss. Nach der Wahl winkt ihnen mehr. Der konservative Ministerpräsident Ulf Kristersson will die SD offiziell in die Regierung holen, Ministerposten inklusive. Dafür lässt Åkesson ihm bis auf Weiteres den Chefsessel.
Ob es so kommt, ist offen. In Schweden stehen sich traditionell zwei Blöcke gegenüber und in Umfragen liegt das linke Lager vorn; angeführt von den Sozialdemokraten um Ex-Regierungschefin Magdalena Andersson, die bei rund 27 Prozent liegen. Lange schien ein Machtwechsel wahrscheinlich, zuletzt nahm die Zustimmung aber ab. Und: Auch 2022 gewannen die Sozialdemokraten klar. Heraus kam aber eine Minderheitsregierung, die sich von den Nationalisten dulden ließ.
Das war nicht weniger als ein Tabubruch, denn bis dahin galt in Schweden eine strenge Brandmauer. Kristersson riss sie unter der Bedingung ein, dass die Populisten nicht offiziell Teil der Regierung wurden. Die ließen sich ihr Entgegenkommen einiges kosten: Das „Tidö-Abkommen“, im Grunde das Regierungsprogramm, trägt in weiten Teilen ihre Handschrift. Die Regierung räumte die Klimapolitik ihrer Vorgänger ab, griff hart gegen Bandenkriminalität durch.
Vor allem verschärfte sie die Migrationspolitik. 2025 wurden nur noch knapp 5000 Asylanträge in Schweden gestellt, so wenige wie seit Jahrzehnten nicht. Zeitweise wanderten mehr Menschen wieder aus als ein. Asylanträge werden kaum noch gewährt. Migranten sollen mit einer Prämie zur Rückkehr gebracht werden. Anfang 2026 wurde sie erhöht: auf 30.000 Euro pro Erwachsenen.
Bullerbü ist zur Festung geworden, die straffe Migrationspolitik (Linke und Grüne ausgenommen) parteiübergreifend Konsens. Die Frage ist aber, wie weit man geht. Als die Schwedendemokraten im August plakatierten: „Vermisst Du Mogadischu? Der Rückkehrzuschuss hilft Dir nach Hause“, ging das vielen zu weit. Im Moment sieht es so aus, als lieferten sich die beiden Blöcke am Sonntag ein Kopf-an-Kopf-Rennen, mit leichtem Vorteil für das linke Lager. Die Unwägbarkeiten sind aber groß. Die Regierungsbildung dürfte ein Krimi werden.MARCUS MÄCKLER/R.HOFMANN