Rosenheim – Ein richtiges Fußballtraining hatte die Rosenheimerin Johanna Macht bis vor ein paar Wochen noch nie gehabt. Sie spielt eigentlich Basketball in der Damenmannschaft beim Sportbund in Rosenheim. Doch ab kommendem Sonntag (13. September) ist sie beim „Transplant Football Worldcup“ in Frankfurt am Main dabei. Eine Veranstaltung, bei der Transplantierte aus der ganzen Welt mitmachen.
Mit 26 Jahren
versagte ihre Leber
Vor zehn Jahren brauchte Johanna Macht eine neue Leber, denn ihre eigene versagte. Damals war sie 26 Jahre alt und hatte erst etwa acht Wochen zuvor eine Schulter-OP hinter sich. „Mir war immer leicht schlecht und ich war unglaublich müde. Aber ich konnte das nicht zuordnen“, erinnert sich Macht. Um zwei Stunden aktiv zu sein, habe sie vorher etwa vier Stunden schlafen müssen. Auch ihr Mann habe festgestellt, dass sie langsamer geworden war und länger benötigte, um auf Dinge zu reagieren. „Die Schulter-OP war meine erste, deswegen wusste ich nicht, ob es eine Nebenwirkung ist“, sagt Macht.
Damals studierte sie berufsbegleitend und benötigte eine Krankschreibung – glücklicherweise, sonst wäre sie nach eigener Aussage nicht zum Arzt gegangen. Vom Hausarzt ging es dann zum Internisten und der schickte sie gleich ins Krankenhaus – zu diesem Zeitpunkt waren ihre Augen schon leicht gelb. „Ich war aber kein akuter Notfall, deswegen musste ich etwas warten, bis die ersten Blutwerte da waren“, erzählt Macht. Ab da wurde sie isoliert. „Dann war etwas Panik in der ganzen Sache“, sagt sie.
Die Ärzte wussten zunächst nicht, was die Ursache für ihre Beschwerden ist. Mitten in der Nacht musste Johanna Macht nach München verlegt werden. „Dort wurde weitergesucht, was das Problem ist – und die Werte wurden immer schlechter und schlechter“, sagt sie. Was feststand, war: Es musste eine neue Leber her, ihre eigene schaffte es nicht mehr. „Ich hätte keine weiteren 24 Stunden überlebt“, sagt sie. Trotz der schlechten Werte sei sie bis zum Schluss ansprechbar gewesen. „Das hat die Ärzte ein wenig verwundert“, erzählt Macht. Glücklicherweise wurde ein Organ für sie gefunden und sie war in der körperlichen Verfassung für die Transplantation.
Allergische Reaktion
auf Schmerzmittel
Nach der Not-OP war eine Sache noch immer ungewiss: Wie kam es zum Leberversagen? „Es war nicht klar, ob es jetzt auf einmal wiederkommt oder nicht“, sagt Macht. Ein Arzt, der an Ursachen für Leberversagen forschte, untersuchte schlussendlich ihre entnommene Leber. Sein Ergebnis: eine allergische Reaktion auf Voltaren. Diese Schmerztabletten hatte Macht nach ihrer Schulteroperation eingenommen. „Es war nur ein kurzer Zeitraum, weil ich kaum Schmerzen hatte. Aber das hat gereicht“, sagt sie.
Am 26. Januar 2016 wurde die Leber in einer Notoperation transplantiert – Ende März 2016 wurde Johanna Macht entlassen. „Nach der Operation hatten meine Nieren versagt. Deshalb hatte ich drei Wochen Dialyse, um das Wasser aus meinem Körper zu kriegen“, erzählt Macht. Auch in den OP musste sie nochmals, weil eine Naht nicht dicht war und Blut in ihren Bauch gelangte. Der Aufenthalt im Krankenhaus zog sich, doch im April konnte sie in die Reha.
„Anfangs hatte ich die Aufmerksamkeitsspanne von einer Fliege, ich konnte mir nichts merken“, sagt sie. Gleichzeitig hatte sie körperlich auch noch Einschränkungen, die von ihrer Schulter-OP herrührten, da sie zuvor keine Reha hatte machen können.
Doch sie machte Stück für Stück Fortschritte und konnte schließlich auch wieder Sport machen. „Im Juli war ein Firmenlauf in München, über fünf Kilometer. Den bin ich mitgelaufen“, sagt sie. Durchlaufen ging nicht – sie musste immer wieder Schrittpausen machen. „Aber so konnte ich mich entlanghangeln“, erzählt Macht.
Auch mit dem Basketball hat sie wieder angefangen. Doch durch die Transplantation blieb es nicht mehr nur dabei. „Ich bin jetzt in den Sportarten viel breiter aufgestellt. Deswegen habe ich Lust bekommen, beim Transplant Football Worldcup mitzuspielen“, sagt Macht.
Denn das soll dieses Turnier zeigen: „Als Transplantierte kann man trotzdem noch Hochleistungssport machen“, wie Gudrun Manuwald-Seemüller von der Patientenselbsthilfegruppe „TransDia Sport Deutschland“ sagt. Sie hatte selbst eine Lebertransplantation vor 24 Jahren. Und sie nennt Eric Compton als Beispiel: Dieser habe ein transplantiertes Herz und sei trotzdem Profi-Golfer. Trotzdem gibt es natürlich Einschränkungen:
„Die lebenslange Immunsuppression nach einer Organtransplantation (Anm.d. Red: die Unterdrückung des körpereigenen Immunsystems und seiner Abwehrprozesse) ist ein Eingriff in die physiologischen Vorgänge des Körpers“, sagt sie. So gäbe es auch Co-Erkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes und maligne Erkrankungen als Folgen der Immunsuppression.
Jeder kann eine
Transplantation brauchen
Neben dem „Transplant Football Worldcup“ gibt es weitere Veranstaltungen wie die „European Transplant Games“. „Das muss man sich vorstellen wie bei den Olympischen Spielen: Es sind viele Sportarten und viele Leute aus vielen Nationen, die eine Woche lang das machen, was ihnen Spaß macht“, sagt sie. 2025 nahm sie bei den „World Transplant Games“ am 3×3-Basketball, Volleyball und Triathlon teil.
Vor zehn Jahren riss es Johanna Macht den Boden unter den Füßen weg. Sie hatte keine Vorerkrankungen. Jeder kann auf eine Transplantation angewiesen sein, sagt sie. „Es ergibt Sinn, Organe freizugeben.“ Es sei aber auch in Ordnung, wenn man seine Organe nicht freigeben möchte. Was zählt, sei: „Eine Entscheidung zu treffen“.