„Es war einfach unfassbar“

von Redaktion

Erinnerungen an den 11. September 2001 – Wie Rosenheimer die Anschläge vor 25 Jahren in New York erlebten

Rosenheim/Kolbermoor/ Traunstein – Es war vor 25 Jahren, am 11. September 2001. Der Tag, der die Welt entscheidend verändert hat. Hans Peter Huber, damals Diplom-Sportlehrer der Simssee Klinik in Bad Endorf, war mit seinen beiden Freunden Esther Jansen und Sebastian Grandauer an diesem Tag in New York und gerade mit der U-Bahn auf dem Weg zu den Twin Towers. „Wir wollten schon Tage vorher auf das World Trade Center, nur war das Wetter nicht so gut. Endlich, an diesem Dienstag, herrlicher Sonnenschein, und wir entschlossen uns, gleich nach dem Frühstück zu den Twin-Towers aufzubrechen“, sagt der damals 29-Jährige.

Mit der U-Bahn auf dem
Weg zu Twin Towers

Das Trio wohnte in einem Apartment am Central Park und es waren rund zehn Kilometer bis „Lower Manhattan.“ „Wir waren schon etwas verspätet mit der U-Bahn dran und plötzlich kam die Durchsage: Notfall am World Trade Center, bitte sofort die Bahn verlassen.“ Das war einen Block vor ihrem Ziel. „Wir dachten an etwas Harmloses und trauten unseren Augen nicht, als wir aus dem Schacht kamen. Es war ein unglaubliches Inferno. Die beiden Türme standen in den oberen Stockwerken in Flammen und hässliche schwarze Löcher waren zu sehen.“ Wenige Minuten zuvor war damals das zweite Flugzeug eingeschlagen.

„Wir sahen oberhalb der Einschlagstelle Menschen am Fenster und plötzlich sah ich einige in die Tiefe springen“, erinnert Huber sich. „Auf einmal hörten wir ein seltsames Knacken und Knirschen und jemand schrie: ‚Einer der Türme stürzt ein, weg hier!‘ Wir fingen an zu laufen, um dieser riesigen Staubwolke zu entkommen. Ich hatte plötzlich richtig Angst um mein Leben“, schildert er den Einsturz des Südturms.

Später, als der Nordturm ebenfalls zusammenbrach, waren er und seine Begleiter bereits in Sicherheit. „Für mich war es immer noch, als wäre ich im falschen Film. Wir sind dann auch getrennt worden in dieser überall herrschenden Panik und haben uns erst am Abend wieder im Apartment getroffen.“

Genau wie er waren Esther Jansen und Sebastian Grandauer körperlich unverletzt. „Dafür hat es in uns anders ausgesehen. Es war einfach unfassbar, die Menschen, die da verzweifelt aus den Türmen in den Tod gesprungen sind.“ Der 25. Jahrestag ist für Hans Peter Huber allerdings tatsächlich kein recht besonderer Tag mehr, obwohl er oft darauf angesprochen wird. Trotzdem wird er sich die eine oder andere Dokumentation dazu im Fernsehen anschauen.

„Im Alltag sind diese Erlebnisse, die ich gemacht habe, nicht mehr präsent. Ich träume auch nicht mehr davon. In den ersten Monaten danach war das anders. Da haben mich die Ereignisse emotional schon sehr stark belastet, das ist mittlerweile lange verarbeitet“, sagt er mit ruhiger Stimme.

Die Erinnerung daran ist aber trotzdem noch immer da: „So klar, als wäre es gestern. Geräusche wie das Rauschen und Grollen, ähnlich einer Lawine, als die Türme kollabierten. Stimmungen, wie die bedrückende Stille unter den Abertausenden Menschen auf den Straßen, als die Türme nicht mehr standen.“ Wegen des Flugverbots konnte Huber mit seinen Begleitern erst eine Woche später nach Hause fliegen. Zeit genug also, um die Stimmung in den Tagen nach dem Anschlag genau zu verfolgen.

„Zum Beispiel als sich Tage nach dem Anschlag alle New Yorker auf den Straßen Manhattans mit Kerzen versammelt hatten, waren wir auch dabei und haben die Atmosphäre der Trauer, des Zusammenhalts, aber auch gleichzeitig so etwas wie eine Aufbruchsstimmung miterlebt. Das ist bis heute unvergessen“, sagt er.

Für Hans Peter Huber und seine Begleiter Esther und Sebastian wird der 11. September 2001 ihr ganzes Leben unvergessen bleiben. „Wir haben immer noch regelmäßig Kontakt, wir leben ja alle im Landkreis Rosenheim. Zum „Jahrestag“ versuchen wir, uns immer zu treffen. Wir kommen am 11. September jedes Mal am Rosenheimer Herbstfest zusammen“, verrät er. Seit dem Anschlag ist Hans Peter Huber nicht noch mal in New York gewesen. Aber: „Das steht tatsächlich auf meiner ‚Bucket-List‘. Zum „9/11-Memorial“ werde ich definitiv noch einmal nach New York reisen“, ist er sich sicher.

„Es fühlte
sich surreal an“

An den Anschlag auf das World Trade Center kann sich auch Tina Knight aus Detroit noch gut erinnern. Seit vielen Jahren lebt sie mittlerweile schon in Kolbermoor. „Es war ein Schock. Ich war damals mit meinem Mann und Freunden im Auto auf dem Weg zurück nach Portland“, erinnert sie sich. Als sie daheim angekommen waren, habe sie sofort den Fernseher eingeschaltet, weil sie alles über die Ereignisse rund um das World Trade Center erfahren wollte. „Den ganzen Tag über war man in einem vernebelten Zustand. Es fühlte sich surreal an“, fügt Knight hinzu.

Pamela Gutsch ist Lauftrainerin und lebt in Traunstein. Ursprünglich kommt sie aus dem Bundesstaat Oregon. 1997 lernt sie auf Reisen in Deutschland ihren Ehemann kennen und ist geblieben. Ähnlich wie Tina Knight hört sie von den Ereignissen im Radio. „Wir wollten am Anfang gar nicht glauben, was wir da im Radio gehört haben“, erinnert sie sich. Noch gut erinnert sie sich an die zahlreichen Berichte von Menschen, die an diesem Tag starben, und Familien, die auseinandergerissen wurden.

Verunsicherung
auch in Deutschland

Auch Georgia Brodka saß zu der Zeit des Anschlags gerade im Auto. Die gebürtige US-Amerikanerin lebte zu dieser Zeit schon in München. Mittlerweile betreibt sie gemeinsam mit ihrem Mann Eric die Gastronomie „Lokeria“ in Rosenheim. „Ich habe am Anfang gar nicht richtig verstanden, was eigentlich los ist“, sagt sie am Telefon. Sie sei sofort nach Hause gefahren, um den Fernseher einzuschalten. „Währenddessen habe ich mit einer Familie telefoniert“, erinnert sie sich.

Sie sei in Sorge gewesen, habe nicht so recht gewusst, wie es jetzt weitergeht. Denn auch in Deutschland sorgten die Anschläge für Verunsicherung. Noch immer habe sie die Bilder vor Augen von Menschen, die vor „lauter Furcht“ aus dem Hochhaus gesprungen sind. „Man kann sich gar nicht vorstellen, in was für einer Lage diese Menschen gewesen sein müssen“, sagt sie.

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