Rosenheimer schwimmt 844 Bahnen im Freibad

von Redaktion

Robin Geratschläger legt Marathonstrecke von 42,2 Kilometer im Becken zurück

Rosenheim – Robin Geratschläger hat für verrückte Ideen eigentlich nicht viel übrig. Und doch beschloss er eines Tages, dass er einen Marathon schwimmen möchte. 42,2 Kilometer im Rosenheimer Freibad auf einer 50-Meter-Bahn. „Ich wollte etwas machen, das meinen Ehrgeiz packt“, sagt er.

Lange im
Schwimmverein aktiv

Schon im Alter von sieben Jahren entdeckte er seine Leidenschaft fürs Schwimmen, mit neun Jahren wurde er Mitglied im Schwimmverein. Er nahm an Wettkämpfen teil, wurde sogar oberbayerischer Meister. „Ich hatte fast jedes Wochenende einen Wettkampf“, sagt Geratschläger. 2020 trat er aus dem Verein aus. Das Schwimmen begleitete ihn aber auch weiterhin.

„Über die Jahre ist dann die Idee entstanden, etwas Verrücktes zu machen“, sagt er. Durch Zufall sei er auf den Influencer Marinus Obermair aus Flintsbach alias „MoveLikeG“ gestoßen. Der hatte sich als Ziel gesetzt, als erste dokumentierte Person ganz Österreich durchzuschwimmen. 350 Kilometer in nur 72 Stunden – das wäre ein Weltrekord. Am Ende legte er statt der geplanten 350 nur 152 Kilometer auf der Donau zurück. Zufrieden war er trotzdem.

Wochenlanges
Training

„Ich war danach richtig angefixt und wollte auch etwas in die Richtung machen“, erinnert sich Robin Geratschläger. Einen Halbmarathon sei er bereits geschwommen, also beschloss er, einfach noch einmal ein paar Kilometer draufzulegen. Gesagt, getan. Die kommenden acht Wochen verbrachte Geratschläger fast jeden Tag im Wasser. Er absolvierte Sprint- und Ausdauereinheiten, baute ein zusätzliches Krafttraining ein. Auch mental bereitete er sich vor. Aufgrund seines Berufes als Rettungsschwimmer ließen sich Training und Arbeit gut miteinander vereinen.

„In den letzten Wochen vor dem großen Tag bin ich dann primär längere Strecken geschwommen“, sagt Geratschläger. Mal waren es fünf Kilometer, mal zehn. Immer mit Tempo. „Ich habe mich an die längeren Distanzen herangetastet, auch um zu schauen, wie mein Körper mitmacht“, sagt er.

Schließlich sei es so weit gewesen. Um Punkt 6 Uhr morgens startete er. Mit dabei: zahlreiche Freunde und Bekannte. Auch ein kleines Team aus Foto- und Videografen. „Für mich war von Anfang an klar, dass ich den Marathon im Freibad schwimmen möchte. Solche Strecken gibt es sonst nur im See oder im Meer“, sagt der Rosenheimer.

Weil er sich im Freiwasser aber nicht wohlfühlte, entschied er sich gegen das Meer und für das Freibad. Auch wenn das die deutlich schwerere Variante war. Denn nach 50 Metern habe er jedes Mal eine Wende machen müssen, wodurch die Beine noch einmal zusätzlich belastet wurden. „Und 14 Stunden auf einen Strich am Boden zu schauen, ist natürlich auch mental eine Herausforderung“, sagt Geratschläger.

Insgesamt schwamm Robin Geratschläger an diesem Tag 844-mal hin und her. „Es gab zwei Momente, in denen es echt problematisch im Kopf wurde“, erinnert er sich. Nach 26 Kilometern habe sein rechter Arm plötzlich angefangen, zu schmerzen. Bei Kilometer 37 habe die Dämmerung so langsam eingesetzt und ihm sei bewusst geworden, dass er immer noch fast fünf Kilometer vor sich habe. „Das sind immer noch fast zwei Stunden, die geschwommen werden müssen.“

Trotzdem gelingt es dem Rosenheimer, am Ball zu bleiben. Immer wieder begleiten ihn Freunde, Bekannte oder seine ehemalige Trainerin auf der Nebenbahn. Weitere 40 Leute feuern ihn vom Beckenrand aus an. Ein Andrang, mit dem Geratschläger so nicht gerechnet hat.

Unter den Zuschauern war auch Christian Klarl, Mitarbeiter im Rosenheimer Freibad. „Es war eine besondere Aktion. So etwas haben wir hier noch nicht gesehen. Wirklich sensationell“, sagt er. Weil an diesem Tag relativ wenig los gewesen sei, habe man für Robin Geratschläger eine komplette Bahn sperren können.

Regelmäßige
Verpflegungspausen

Der machte alle vier Kilometer eine dreiminütige Pause. Er nahm ein Gel zu sich, außerdem eine Banane und ein paar Bissen von einem Obstriegel. Zudem trank er einen halben Liter Elektrolytewasser. „Dann ging es weiter“, sagt er. Auf einem Stück Papier halten seine Freunde die genauen 100-Meter-Zeiten fest.

Knapp über
14 Stunden im Wasser

Nach 14 Stunden, einer Minute und 32 Sekunden hat er es endlich geschafft. „Ich war mega erleichtert und froh“, sagt er. Er sei aus dem Becken gestiegen, habe zahlreiche Glückwünsche entgegengenommen. „Dann habe ich aber schon gemerkt, wie meine Muskeln sich zusammengezogen haben und die Müdigkeit eingesetzt hat.“ Er habe sich nach Hause fahren lassen, sei sofort eingeschlafen. Mittlerweile hat er sich weitestgehend regeneriert. Der Oberarm zwickt immer noch ein wenig. Ansonsten geht es ihm gut. „Ich mache jetzt noch ein paar Tage Pause, freue mich aber schon darauf, wieder ins Wasser zu gehen“, sagt er. Eine neue verrückte Idee hat er bislang noch nicht. „Ich ruhe mich jetzt erst einmal auf meinem Erfolg aus.“

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