Infoveranstaltung zum Brennerbasistunnel und Brennerzulauf in Raubling

Eine „Kathedrale in der Wüste“

von Redaktion

Geht es nach der Meinung des Bürgerforums Inntal, dann ist der Zug um eine mögliche Korridorplanung im Inntal noch lange nicht abgefahren. Die Mitglieder wollen sich gegen das „Kaputtmachen der Heimat“ stemmen.

Raubling – Sie fürchten, dass nicht nur Raubling wegen der Lärmbelästigung durch zunehmenden Schienenverkehr „nicht mehr ruhig schlafen kann“.

Zum „Huberwirt“ in Raubling hatten sie zur Informationsveranstaltung eingeladen, um ihre Einstellung zum Ausbau der Verkehrsader und ihre Ziele und Forderungen darzulegen. Rund 140 Bürger waren der Einladung gefolgt.

Die Planungen müssten besonders auf FFH- und Naturschutzgebiete sowie die Landwirtschaft Rücksicht nehmen, hieß es. „Eine Zerstörung unserer herrlichen Landschaft des Inntals durch den Brennernordzulauf ist inakzeptabel“, so Vorsitzender Martin Schmid.

Beklagt wurde die Zerrissenheit unter den Bürgermeistern im Inntal. Nicht zu verstehen sei eine im letzten Jahr getroffene Aussage eines Bürgermeisters, „den Bau werden wir eh nicht mehr erleben“. „Wir fordern von den Bürgermeistern ein Höchstmaß an gemeinsamem Bewusstsein. Wer Kirchturmpolitik betreibt, verliert“, beteuerte Zweiter Vorsitzender Peter Margraf vom Bürgerforum Inntal.

Brunhilde Rothdauscher will, dass Raubling so schnell wie möglich vom Lärm weg kommt und kein drittes Gleis benötigt wird. „Nicht auf die Bahn soll eingehauen werden, sondern die Politik ist gefordert“, erklärte sie. Sylvester Schütz zeigte an Hand von Lärmkartierungen die Situation um den Bahnlärm. „In Zukunft fürchte ich, dass wir mit einem Lärmpegel wie in einer Großstadt und nicht wie auf dem Land leben müssen.“

Was bisher weniger bekannt gewesen sein dürfte, darüber sprach Sepp Kusstatscher, Europaparlamentarier aus Villanders/Südtirol. „Die Bürgerinitiativen im Raum Rosenheim sollen wissen, dass auf italienischer Seite lange Abschnitte der Brenner-Basis-Tunnel (BBT)-Zulaufstrecke noch nicht einmal geplant sind.“ Von einer Finanzierung oder gar Bauausführung könne schon gar keine Rede sein. So bleibe der BBT, wenn er einmal fertiggestellt sein wird, eine „Kathedrale in der Wüste“.

Beim Bau von Verkehrsinfrastrukturen gehe es seiner Meinung nach weitgehend um die Machbarkeit und Finanzierbarkeit. „Es wäre aber viel wichtiger, zuerst nach der Notwendigkeit und Sinnhaftigkeit zu fragen“, so der Abgeordnete.

Wenn man bedenke, dass es heute schon viel Hin- und Hertransporte gleicher und ähnlicher Waren gibt und dass die Bevölkerung in Europa nicht mehr wachse, sondern eher schrumpfe, dann sei der Bau neuer, zusätzlicher Verkehrsinfrastrukturen äußerst fraglich, erklärte er in seinem Statement.

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