Kieferer Ritterschauspiele

Glänzende Premiere mit „Genovefa“

von Redaktion

Dass es Genovefa von Brabant, Tochter von Herzog Otto von Brabant und Gemahlin des Pfalzgrafen Siegfried von Mayenfeld, tatsächlich als historische Person gegeben hat, ist eher unwahrscheinlich. Tatsache aber ist, dass diese mythische Figur Grundlage des neuen Theaterstücks der Kieferer Ritterschauspiele ist, mit dem das Laientheater am Samstagabend eine glänzende Premiere feierte.

Kiefersfelden – Mit Böllerschüssen hörbar angekündigt, konnte Vorsitzender Philipp Kurz dazu wieder eine Reihe von Ehrengästen wie Landrat Wolfgang Berthaler, Vorgänger Josef Neiderhell, mehrere Kreisratsmitglieder und Gemeinderäte sowie viele Bürgermeister aus der Umgebung begrüßen.

Dazu natürlich auch den Kieferer Bürgermeister Hajo Gruber, der jedoch bis zuletzt noch die Kartenwünsche der vielen Besucher an der Kasse erfüllte, um dann doch noch rechtzeitig seinen Platz einzunehmen.

Philipp Kurz dankte allen Helfern, Sponsoren und Unterstützern für deren Engagement und Einsatz, „damit auch in diesem Jahr wieder das Stück so auf die Bühne gebracht werden konnte“.

Danach öffnete sich der Vorhang für eine rund 180-minütige Reise in die Vergangenheit, die mit der einzigartigen Drehkulisse nahezu atemberaubende Tempi bei den Szenenwechseln erlaubt und die Besucher gefangen nimmt.

Auf dem Hofe von Pfalzgraf Siegfried heißt es Abschied nehmen, da dieser mit seinem Gefolge in den Krieg gegen die heidnischen Mauren zieht. Seine Gemahlin Genovefa lässt er zurück, in der Obhut des von ihm ernannten Statthalters Ritter Golo. Eine Steilvorlage für Mathilde, die ihren (unehelichen) Sohn Golo für ihre Machtzwecke instrumentalisiert. Auf ihr Geheiß stellt er der Grafengemahlin nach, versucht sie zu verführen, was ihm aber grandios misslingt. So sinnt der Verstoßene auf Rache, verleumdet die treue Genovefa gegenüber ihrem Ehemann als Ehebrecherin, was Graf Karl dazu veranlasst, Genovefa und ihren zwischenzeitlich geborenen Säugling zu töten. Doch die beiden erhalten unerwartete Hilfe in ihrer äußersten Not und so werden sie in letzter Sekunde errettet, der vermeintliche Meuchelmörder verlässt den Pfad des Verbrechens und schenkt beiden das Leben, die nun ihr kärgliches Dasein in einem Versteck im Walde des Grafen fristen.

Nach dem glorreichen Sieg gegen die Mauren kehrt Siegfried an seinen Hof zurück, im Hintergrund aber spinnt Mathilde weiter ihr Netz aus Intrigen, Verleumdungen und Lügen, in dem sich auch der Graf zunächst scheinbar hoffnungslos verfängt.

Doch, wie es halt so ist, mit den Erzählungen aus dieser Zeit; das Gute obsiegt letztlich immer und das Schlechte wird bestraft, in Person von Mathilde sogar auf direktem Wege von der Hölle verschlungen. Aber das dauert lange sieben Jahre, bis die Wahrheit ans Licht kommt, in denen Genovefa und ihr Sohn, der zukünftige Pfalzgraf, arg darben und leiden müssen. Erst als ihrem Gemahl langsam die Augen geöffnet werden und er die Wahrheit und Unschuld seiner Genovefa erkennt, wird sie wieder zurück an den gräflichen Hof geführt.

Mit den Stück „Genovefa“ ist der Laienspielertruppe der Ritterschauspiele wieder ein großer Wurf gelungen. Nahezu 100 Vereinsmitglieder sorgten vor und hinter den Kulissen für einen reibungslosen Ablauf der Uraufführung. 35 Sprechrollen mussten besetzt werden und für die musikalische Leitung war Dirigent Josef Pirchmoser in gewohnter und gekonnter Manier zuständig.

Seit April liefen die intensiven Proben für das Ritterepos und mit der Einbindung der Musikkapelle Kiefersfelden erfuhr das Stück passende musikalische und gesangliche Elemente. Das alles vereint den „Drei-Akter“ zu einem unvergesslichen Theatererlebnis, bei dem Szenenwechsel bei offenem Vorhang ablaufen und Sturm und Gewitter noch von Hand erzeugt werden.

Auf der einzigartigen Drehkulissenbühne von 1833 ist vieles wie früher und die mitwirkenden Laienschauspieler wechseln zwischen verschiedenen Rollen als Mime, Musiker oder auch Bühnentechniker. Neue, pyrotechnische Bestandteile sorgen für Aufreger im Publikum und die herrlichen Kostüme und selbst gemalten Bühnenbilder festigen weiter das Alleinstellungsmerkmal dieser Kieferer Ritterschauspiele, die im nächsten Jahr ihr 400-jähriges Jubiläum feiern können.

Die nächsten Vorstellungen des Ritterschauspiels „Genovefa“ im Kieferer Theaterstadel sind an den Samstagen 5., 12. und 19. und am Freitag, 25. August, sowie an den Samstagen 26. August und 2. September. Beginn jeweils um 19 Uhr. Die Nachmittagsvorstellungen an den Sonntagen, 13. und 20. August sowie 3. September beginnen jeweils um 13.30 Uhr.

Karten

Eintrittskarten gibt es bei der „Kaiser-Reich Information“, Rathausplatz 5 in Kiefersfelden, Telefon 08033-9765-45, Informationen rund um das Stück auch unter www.ritterschauspiele-kiefersfelden.de.

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