Rott – Er ist rar geworden im Landkreis: der Weißstorch. Südlich von Rott allerdings hat er einen Brutplatz gefunden, den einzig aktuellen im Landkreis Rosenheim und wohl den südöstlichsten in ganz Bayern. Und: Es gibt Bruterfolge mit drei Jungtieren, die allesamt „rund und gsund“ sind, wie es Werner Zuschke bezeichnet, der die Störche schon in Rott schon seit Jahren beobachtet und das Leben der Tiere fotografisch dokumentiert. „Für unseren Ort ist es natürlich was Besonderes“, schwärmt Rotts Bürgermeister Marinus Schaber. Solange er denken könne, habe es in Rott Störche gegeben. „Sie gehören zu unserer Gemeinde wie der Maibaum.“
Da Störche in Deutschland auf der Roten Liste der gefährdeten Arten stehen, kommt dem Storch-Projekt in Rott besondere Bedeutung zu. „Ziel ist, die Ansiedlung zu verstärken. Voraussetzung: Die Brut- und Nahrungshabitate verbessern“, erklärt Margit Böhm von der unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt Rosenheim.
Da sich Störche vor allem von Mäusen, Regenwürmern, Schnecken, Insekten und deren Larven ernähren, sind extensiv bewirtschaftete oder brachliegende Flächen sowie streifenweise gemähte Wiesen rund um den Horst von Vorteil. In Rott profitiert der Storch von der kleinbäuerlichen Landwirtschaftsstruktur. Hier wurden erste Ansätze herausgearbeitet, die mit den Grundeigentümern besprochen werden, um so die Bedingungen für eine erfolgreiche Brut zu gewährleisten. „Die bisherigen Kontakte zwischen den Landwirten in Rott und dem Projektbetreuer Dirk Alfermann verliefen alle durchwegs positiv“, berichtet Böhm.
Ein weiterer Projekt-Erfolg war die Sanierung des Horstes auf dem Kamin der Firma Alpma im Herbst 2015. Der Horst wird seit 2012 von Brutpaaren genutzt, 2014 gelang die erste erfolgreiche Brut mit einem flüggen Jungtier, 2015 waren es bereits zwei. Vorletztes Jahr mussten Risse im Kamin geschlossen werden, um Frostschäden zu verhindern. Dazu wurde eine Nistplattform, von Lehrlingen der Firma Alpma angefertigt, per Kran auf den Kamin gesetzt und befestigt und das alte, zuvor geborgene Nest wurde auf die Nisthilfe gelegt (wir berichteten). Die Arbeiten am Kamin verliefen alle zügig und ohne Probleme, das Storchenpaar nahm den Brutplatz im darauffolgenden Frühjahr sofort wieder an, sodass auch 2016 und 2017 wieder gebrütet wurde. Ergebnis: jeweils drei Jungstörche.
„Durch die angestiegene Mobilität unserer Gesellschaft werden Störche immer wieder Opfer des Straßen-
verkehrs.“Margit Böhm
Zu einem unerfreulichen Zwischenfall kam es im Juli 2016, als ein Weißstorch von einem Fahrzeug erfasst wurde. Da Verletzungen vermutet wurden, beobachtete die Feuerwehr Rott den Vogel und wollte ihn, falls nötig, in die Tierklinik nach Rosenheim bringen. Der Storch flog jedoch den Einsatzkräften davon, so dass diese davon ausgehen konnten: Tier unverletzt. „Durch die angestiegene Mobilität unserer Gesellschaft werden Störche immer wieder Opfer des Straßenverkehrs“, erklärt Böhm. Das Problem trete vor allem auf, wenn Straßenprojekte Naturräume zerschneiden. Dieselben Probleme stellen sich bei neuen Hochspannungsleitungen oder ungesicherten Strommasten. 2013 verletzte sich ein Storch so stark an einem Strommast, dass er vom Tierarzt eingeschläfert werden musste. Der Mast wurde umgehend vom Stromunternehmer so gesichert, dass seitdem keine Unfallgefahr mehr besteht.
Für den Storchenschutz sei es wichtig, dass die Wiesennutzung in der kleinbäuerlichen Landwirtschaft erhalten werde, um für eine gesunde Bodenfauna zu sorgen und die ausreichende Nahrungsaufnahme für die Weißstörche zu ermöglichen, so Böhm, „der Anbau von Mais sollte gering gehalten werden, da durch den schnellen Aufwuchs die Äcker bereits im Juni als Nahrungshabitate für den Storch ungeeignet sind. Dagegen sollten Kleingewässer oder Grabenaufweitungen angelegt werden, da sie als Nahrungsquellen für die Vögel ideal sind. Um den Horst herum sollten zudem die Flächen für die Nahrungsaufnahme möglichst eben sein, damit der Vogel freien Blick auf sein Nest hat. Denn er entfernt sich immer nur so weit, dass er seinen Brutplatz im Notfall verteidigen kann“.
Ein großes Dankeschön spricht die Untere Naturschutzbehörde der Firma Alpma und allen Beteiligten des Projektes „Schutz der Weißstörche in den Gemeinden Rott am Inn und Schechen“ aus. Denn: „Nur mit ihrer Hilfe ist die Erhaltung und eventuelle Neuansiedelung von Weißstörchen im Landkreis möglich“, lobt Böhm. Der Rotter Brutplatz sei bei den Vögeln beliebt, da es dort allerdings öfter zu Kämpfen zwischen den Störchen um den Horst komme, sei das Anbringen einer weiteren Nisthilfe im Nachbarort Hochstätt in der Gemeinde Schechen vorgesehen.