Burschenfest zum 120. Jubiläum der Obinger Burschen

„Da gehörst dazu, da bist dahoam“

von Redaktion

Über 3000 Burschen und Dirndl feierten im Obinger Festzelt das 120-jährige Gründungsfest des Burschenvereins Obing und das 53. Burschenfest im Chiemgau und Rupertiwinkel. Der Meistpreis ging an den Burschenverein Pitternhart. Den Weitpreis sicherten sich der „Madlverein Hoase Hosn“ aus Aschheim.

Obing – „Arbeit, Fleiß, Glauben, Heimat, Frohsinn und Geselligkeit“ – das sind keine leeren Phrasen, die sich die Obinger Burschen auf ihre Vereinsfahne geschrieben haben. Beim 53. Burschengaufest und den Feierlichkeiten zum 120. Vereinsjubiläum wurden die wohlklingenden Worte mit Leben gefüllt. Gemeinsam mit dem Musikverein stellten die Burschen unvergessliche Festwochen auf die Beine und demonstrierten großen Zusammenhalt und ein gutes Miteinander.

Die Ausrichtung der beiden Vereinsjubiläen mit großem Festprogramm hatte von allen Beteiligten jede Menge Einsatz gefordert. Mit der „Welle 1“-Party am Freitag und dem Festabend am Samstag hatten die Burschen noch einmal mächtig Gas gegeben. Für die Discoparty hatten sie eigens eine Bar in Form eines Segelschiffs gebaut und sich damit selbst übertroffen. Die vielen Besucher waren begeistert und nutzten jede Gelegenheit, die Bar zu entern.

Die Stimmung war auch am Festabend mit vielen Besuchern und der Gruppe „Zwoa moi Zwoa“ bestens. Auf umfangreiche Programmpunkte wurde dabei bewusst verzichtet, um das ungezwungene Beisammensein in den Mittelpunkt zu stellen. Am Festsonntag musste dann nochmal kräftig in die Hände gespuckt werden, denn aufgrund des Dauerregens musste der Festgottesdienst kurzerhand ins Festzelt verlegt werden. Doch auch das war letztlich kein Problem. Pfarrer David Mehlich, der gemeinsam mit den Pfarrern Valentin Tremmel und Martin Klein und Diakon Wolfgang Mösmang den Gottesdienst hielt, machte kurzerhand einen „Soundcheck“ mit den Burschen aus Weibhausen und Wonneberg in den hintersten Zeltreihen.

Er machte in seiner Begrüßung deutlich, dass es lohne, hinter die Dinge zu blicken. Er habe den Burschenverein als Verein mit vielen Vorzügen kennengelernt. In seiner Festpredigt blickte Pfarrer Martin Klein, selbst Obinger Burschenvereinsmitglied, auf „Sternstunden meiner Obinger Zeit“. Das Dorf dürfe sich glücklich schätzen, so einen Verein zu haben, sagte Klein. Die Burschen seien sozial engagiert, bei den kirchlichen Festen immer dabei und hätten beispielsweise bei Arbeiten im und am Kindergarten stets tatkräftig mit angepackt. Die Gemeinschaft und die Geselligkeit seien nie zu kurz gekommen, betonte Klein. Er sei 2002 als Pfarrer nach Obing gekommen und sofort von den Burschen aufgenommen worden. „Da gehörst dazu, da bist dahoam“. Dieses Zugehörigkeitsgefühl habe ihm gut getan und sei vor allem auch für junge Menschen wichtig, die ihren Platz im Leben und in der Gesellschaft noch suchten, fand Klein und erinnerte an „legendäre“ Vereinsveranstaltungen wie Kirta-Hutschn, Disco-Partys, Petersfeuer und mehr, die er selbst miterlebt hatte.

Schirmherr Sepp Huber, der Bürgermeister, lobte den Burschenverein für sein gesellschaftliches und soziales Verantwortungsbewusstsein und den Gemeinschaftssinn. „Alle halten zusammen und es gibt hunderte helfende Hände“. Gauvorstand Michael Reithmeier stellte fest: „Das waren grandiose Festwochen“. Das Zelt sei immer brechend voll gewesen und alle hätten gerackert. Das verdiene Respekt und Anerkennung. 120 Jahre Burschenverein sei ein guter Anlass zum Feiern, aber auch um zurückzuschauen und allen zu danken, die den Verein durch die Zeit getragen hätten. Zwei Dinge seien dabei wichtig: Dankbarkeit und Verantwortung. Vorangegangene Generationen hätten ein reiches Erbe bestellt. Aber man komme auch an den Opfern der Weltkriege nicht vorbei. Junge Burschen in vergleichbarem Alter hätten da auf dem Schlachtfeld ihr Leben gelassen. Das dürfe sich nicht wiederholen. Aufgabe der Burschenvereine sei es deshalb auch, Tradition und Heimat zu bewahren und Verantwortung für frühere und künftige Generationen zu übernehmen.

„Buam i bin stolz auf euch“ sagte der Vorsitzende der Obinger Burschen, Christoph Ober. „Was ihr auf die Beine gestellt habt, ist Spitzenklasse. Es ist mir eine Ehre, dass ich euer Vorsitzender sein darf und mit euch dieses Fest feiern kann“. Der Zusammenhalt sei in jeder Lage spürbar und auf jeden sei Verlass. „120 Jahre Burschenverein ist eine Hausnummer“. Gegründet als Unterstützungsverein für Arbeiter in einer Zeit ohne soziale Absicherung, habe sich der Verein im Laufe der Jahrzehnte immer wieder den Bedürfnissen der Zeit angepasst.

Die traditionellen Werte hätten sich jedoch nicht geändert. Wenn es drauf ankomme, seien alle zur Stelle. Egal ob Alt oder Jung – es werde gemeinsam gearbeitet und gefeiert. Mit den Seeonern habe man dann auch noch den besten Patenverein erwischt, lobte Ober. Die könne er wärmstens weiterempfehlen. Die Sympathie beruht wohl durchaus auf Gegenseitigkeit, wie Markus Parzinger deutlich machte. „Die Seeoner Burschen haben die Patenschaft gerne übernommen und sind in guten und schlechten Tagen an eurer Seite“. Um die Freundschaft zu besiegeln, hefteten die beiden Patenbräute Stefanie Ballauf aus Obing und Annelies Parziner aus Seeon Erinnerungsbänder an die Vereinsfahnen.

Zünftige Nachfeier in trockenen Tüchern

Und auch mit dem Musikverein klappte es bestens. Zum Dank für die gute Zusammenarbeit spendierten die Musiker ein Spanferkel. Die Burschen wollen für das Bier sorgen und dann steht einer zünftigen Nachfeier der Obinger Festwochen wohl nichts mehr im Weg.

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