Flintsbach – Immerhin gehörten die Falkensteiner zu ihren Lebzeiten (11.-13. Jahrhundert) zu den mächtigen Herrschern in Bayern. Zu ihrem Besitztum zählten außerdem noch die Burgen Hartmannsberg, Neuburg bei Vagen und Herantstein im Wienerwald. Sie hinterließen nicht nur die Burgen, sondern auch ein weit über die Landkreisgrenzen hinaus bekanntes schriftliches Werk, den „Codex falkensteinensis“. Hier waren unter anderem alle Besitztümer verzeichnet. Nach dem Aussterben der Falkensteiner habe es viele Besitzer der Burg gegeben. Einschneidend für das Gebäude sei der Brand im Jahre 1784 gewesen, danach ist die Burg mehr und mehr verfallen. Letzter privater Besitzer war die Firma Henkel aus Düsseldorf. Im Jahr 2009 hat die Umwelt-, Kultur- und Sozialstiftung des Landkreises Rosenheim das Objekt erworben.
Nun gilt es, dieses Erbe für die Nachwelt zu sichern. Das bedeutet, dass die noch vorhandene Bausubstanz gesichert wird. „Wir haben die Arbeiten in drei Bauabschnitte eingeteilt“, erklärt der Landrat und deutet auf eine Zinne in der Nähe des Burgturms hin: „Das war eine der gefährdetsten Stellen, mit deren Sicherung wir im September 2016 begonnen haben. Nun geht es seit Mai über die Ecktürme und die östliche Burgmauer weiter.“
An einigen Stellen drangen Wurzeln recht tief in das Mauerwerk ein und haben schließlich Steine herausgesprengt und deutlich Risse im Mauerwerk hinterlassen. Dadurch sei die Statik gefährdet, sodass einige Bereiche vom Einsturz nun bedroht sind. Ziel der Arbeiten ist es, alle vorhandenen Mauerreste vor dem Einsturz zu sichern. Als Zeithorizont wird das kommende Jahr angepeilt.
In der Zwischenzeit habe es allerdings – bedingt durch die Ausgrabungen – viele Überraschungen gegeben, so Berthaler. „Deshalb könnte das Budget von rund 500000 Euro bereits mit dem Jahr 2017 zu Ende gehen“, fürchtet der Landrat. Zum Zeitpunkt, als die erste Kalkulation aufgestellt wurde, habe man nicht damit rechnen müssen, dass die Sicherungsmaßnahmen so umfangreich sein werden. „Damit steht nun eine kräftige Budget-Erweiterung an, deren Umfang zum heutigen Zeitpunkt allerdings noch nicht absehbar ist“, so der Landrat. Hauptgrund seien insbesondere die maroden Mauern, die abgestützt werden müssen. „Ein kleiner Eckturm musste überdies wegen erheblicher Einsturzgefahr weitgehend abgetragen werden und wird nun wieder neu aufgebaut.“
Die Archäologen stoßen bei ihren Grabungen jeden Tag auf neue Spuren der Vergangenheit. Aktuell wurde am Rande der Burgmauer eine Pflasterung freigelegt, die darauf deutet, dass hier die Sohle des Burghofes erreicht ist.
Landrat möchte Förderkreis gründen
Das Budget wurde im Wesentlichen bisher aus den Mitteln des Entschädigungsfonds des Bayerischen Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft mit 270000 Euro ausgestattet. Weitere Geldgeber waren der Bezirk Oberbayern, die Bayerische Landesstiftung, die Gemeinde Flintsbach, die Sparkasse und der Landkreis selbst.
Aus Sicht des Landrates soll nun kurzfristig ein Förderkreis zur Erhaltung der Burg gegründet werden. „Es gibt viele Bürger, die an unserer Burg interessiert sind und gerne Spenden würdenn, aber derzeit nicht wissen wohin“, so der Landkreischef. Er setzt damit künftig auch auf eine Finanzierung aus privaten Mitteln. Er hoffe, dass noch in diesem Jahr der Förderverein aus der Taufe gehoben werden kann.
„Wenn die Sicherungsmaßnahmen abgeschlossen sind, braucht man ein Nutzungskonzept“, sagt Wolfgang Berthaler. In der Vergangenheit habe es schon einige Ideen gegeben, teilweise auch angeregt durch Studenten der Hochschule Rosenheim, die 2010 ihrer Fantasie freien Lauf ließen und verschiedene Nutzungskonzepte erstellten. Diese waren seinerzeit in der „Alten Post“ zu sehen.
Konzerte und Trauungen
Alleine schon aus Kostengründen müssen alle Ideen auf den Prüfstand gestellt werden, betont Berthaler. Denkbar sei die Einrichtung eines repräsentativen Raums für die Gemeinde, das als Trauungszimmer eingesetzt werden könnte; die Erschließung eines Teils des Areals als Zeltplatz für Jugendgruppen und für konzertante Aufführungen oder die Nutzung des Turms als Aussichtsplattform. Hierfür wäre aus Gründen des Brandschutzes allerdings die Errichtung eines zweiten Rettungsweges erforderlich, doch das sei nicht machbar. Nutzbar wären im Turm dann das Erd- und das erste Obergeschoss. Gut fände es der Landratsamtschef, mit Informationstafeln über die Geschichte und die aktuellen Aktivitäten zu berichten.