Bruckmühl –Heinz Ollesch ist Deutschlands bekanntester und erfolgreichster Strongman der letzten 20 Jahre. Um nur ein paar Erfolge aufzuzählen: Zwölfmal sicherte er sich den Titel „Stärkster Mann Deutschlands“ und war dreimal Team-Weltmeister. Am Sonntag fungiert Ollesch als Hauptkampfrichter bei der Meisterschaft. Ihm zur Seite stehen dabei Martin Wildauer, stärkster Mann Österreichs sowie Erwin Geisler, stärkster 105 Kilogramm-Österreicher.
Herr Ollesch, was bedeutet für Sie der Wettkampf quasi auf heimischem Boden? Ist es dann nicht noch härter, nicht selbst aktiv um den Titel zu kämpfen?
Ich freue mich über dieses Heimspiel sehr. Der Sport wird wieder bekannter und erfährt aktuell einen Aufwind. Schwer fällt mir das dieses Mal nicht. Als Hauptrichter bin ich mittendrin im Geschehen. Außerdem stehen noch einige Rekorde von mir. Aber gerade kurz nach Beendigung meiner Profikarriere war es ohne Wettkämpfe schon schwer.
Was zeichnet einen Strongman aus, um bereit für den Sieg zu sein?
Eine brutal gute mentale Verfassung in meinen Augen. Das wird oftmals von den Athleten unterschätzt. Außerdem musst du natürlich das Gesamtpaket mitbringen. In keiner der Disziplinen sollte die Leistung schlechter als der vierte Platz sein. Und dafür sind Kraft und Ausdauer ausschlaggebend. Ich war immer ein Wettkampftyp und bei einem Turnier fast zehn Prozent besser als im Training.
Seit Ihrem 17. Lebensjahr trainierten sie und kämpften sich von einem Erfolg zum Nächsten. Was macht für Sie die Faszination dieses Sports aus?
Ich kann das nicht in Worte fassen. Es war schon immer so. Mein Vater machte Kraftsport und das begeisterte mich. Als Fünftklässler, es ging um Idole, brachte ich eine Sportzeitung in die Schule mit. Auf dem Titelblatt war Arnold Schwarzenegger. So wollte ich auch aussehen. Mir gefiel auch dessen Zielstrebigkeit und seine Willensstärke. Mein Wunsch war deshalb schon früh, der Beste zu werden – und es ist mir geglückt. Ich lebte und lebe für diesen Sport, da ist nichts, was ich wegen des Sechs-Tage-Trainings pro Woche verpasst habe, als Entbehrung vorgekommen.
Ihre Maße sind legendär. Bei einer Größe von 1,91 Meter, 160 Kilogramm, ein Oberarmumfang von 56 Zentimeter und ein Brustumfang von 150 Zentimeter. Je Probleme beim Kleidungskauf gehabt?
Jetzt wieg ich ja nur noch 140 Kilogramm. Aber zu meinen Spitzenzeiten sind T-Shirts immer gegangen. Notfalls sind die Ärmel auch schnell abgeschnitten (lacht). Auch Jeans waren kein Problem. Oft habe ich auch in Amerika eingekauft, die hatten größere Größen. Aber einen passenden Anzug zu finden, war natürlich schwierig.
Die Wettkampf-Anfänge liegen ja ganz woanders. 1979 nahmen Sie erstmals bei einer Vereinsmeisterschaft im Fingerhakeln teil. Wieder einmal gehakelt oder ist das auch passé?
Ich war schon mit neun Jahren bei den Fingerhaklern. Aber irgendwann hab ich Muskeln aufgebaut und war zu schwer dafür. Ein „Zurück zu den Wurzeln, wird es vermutlich nicht geben. Denn wenn ich was mache, dann gscheid. Und es fehlt auch die Zeit.
Wie sehr hat sich die Strongman-Wettkampf-szene in den vergangenen 20 Jahren verändert? Was ist gut? Was eher weniger?
Nach meinem Abschied aus der Aktivenzeit gab es ein Athleten-Loch – insbesondere im internationalen Vergleich. Mittlerweile konnte dies durch die beiden Ligen und Beginnercamps geschlossen werden. Zwei Akteure sind aktuell international auch sehr weit vorne mit dabei. Ansonsten ist der Kampf um Fernsehberichte und die Sponsorensuche härter geworden. Aber hier sind wir auf einem guten Weg. Ich kommentiere für Eurosport Wettbewerbe und nach Bruckmühl kommt ein Fernsehteam von ,Welt der Wunder‘ und beleuchtet die Strongman-Szene.
Wer hat in Ihren Augen die größten Chancen morgen den Titel „Stärkster Mann Deutschlands“ zu holen?
Das wäre der Ranglistenerste Raffael Gordzielik aus Hessen. Doch er muss mit dem Druck umgehen können. Die letzten beiden Jahre hat dies nicht geklappt, er machte Fehler und verlor dadurch den Titel. Aber auch Dennis Kohlruss und Sebastian Kraus können am Ende am Siegerpodest oben stehen. Überhaupt ist in unserem Sport Spannung bis zum Schluss angesagt. Denn erst wenn alle Disziplinen erfolgt sind, werden die Punkte zusammengerechnet. Bis dahin kann ein kleiner Fehler einen um die Krone bringen.
Als Kampfrichter achten Sie auf was besonderes?
Die Mischung der Disziplinen ist wichtig. Ausdauer, Kraft, Geschicklichkeit und Technik müssen von den zwölf Bewerbern um den Titel geleistet werden. Außerdem sind alle Athleten gleich zu behandeln. Das gebührt die Fairness. Das Gute an unserem Sport ist aber, dass der Erfolg für jeden ersichtlich ist. Die Leistung ist morgen messbar und sichtbar.