Sepp Spiel sammelt Landwirtschaftliche Geräte, alte Maschinen und noch viel mehr

Große Leidenschaft für Motoren

von Redaktion

Im zarten Alter von acht Jahren bekam Sepp Spiel aus Vogtareuth bei einer Bauernhof-Auflösung einen Motor geschenkt. Mit dem Radl-Anhänger brachte er ihn nach Hause und machte sich sofort an die Arbeit: Unbedingt wollte er dieses Aggregat zum Laufen bringen. So begann eine Leidenschaft, die bis heute anhält.

Vogtareuth – Sobald er das geschafft hatte, wollte der Knirps noch höher hinaus und entdeckte mit neun Jahren eine Annonce, in der ein Bulldog, der einst auf dem Hof seiner Eltern Verwendung fand, preisgünstig angeboten wurde. Der Knirps kratzte seine Ersparnisse zusammen, fragte seine Eltern um Erlaubnis – und schon waren die Grundsteine gelegt für eine Sammlung des heute 32-Jährigen, die nunmehr über 100 Standmotore umfasst, zudem 20 Bulldogs und 20 Motorräder – neben vielen Preziosen wie eine Butter-Rührmaschine oder eine Kracherl-Abfüllmaschine aus dem Jahr 1910.

„Landwirtschaftliche Geräte und alte Maschinen haben mich schon immer fasziniert“, bekennt der junge Mann, der nach dem Abschluss der Hauptschule Maschinenbau lernte und als Dreher bei der Firma Bolley in Prutting seine erste Anstellung fand und ihr bis heute die Treue hält. Denn Sepp Spiel weiß, dass es mit dem Sammeln gerade von alten Maschinen nicht getan ist: „Ich will, dass sie nicht nur überall auf meinem Hof herumstehen, sondern dass sie auch funktionieren!“

Viele Ersatzteile fertigt der Tüftler selbst

Freilich braucht man heute nicht mehr nach Ersatzteilen für einen Stationärmotor fragen, der um 1900 in der Königlichen Maschinenfabrik Ungarn gebaut worden ist, in einem rumänischen Sägewerk eingesetzt war und bei einem Hubraum von 6,8 Litern 17,5 PS leistet. „Da gibt es nur eine Lösung: die Ersatzteile selber herstellen. Und dafür ist meine Werkstatt bestens ausgerüstet, unter anderem mit einer Drehbank für Werkstücke mit einer Länge bis zu 3 Metern.“

Gerne verrät uns Sepp Spiel, wie er an seine Sammlerstücke kommt: „Es gibt für jede Sparte Interessengemeinschaften und Treffen – auch hier im Umkreis von 20 bis 30 Kilometern Es gibt Freundeskreise oder etwa den Oldtimer-Verein Höslwang, in dem ich Gründungsmitglied bin.“

Seit 1994 ist er auch Mitglied bei den „Freunden alter Fahrzeuge“ in Rott, auf den er bei einem Bulldog-Treffen in Rieden bei Soyen gestoßen ist. Seitdem macht er bei allen Treffen mit und zeigt dort seine schönsten Exemplare. Interessenten finden sich auch im Trachtenverein „Unterinntaler Vogtareuth“. So gestaltete Sepp Spiel auch den Festwagen des Vereins und führt bei Veranstaltungen des Öfteren seine „Kracherl“-Abfüllmaschine vor, die eine Abschluss-Kugel mit einem Druck von vier Bar in die Flasche presst und es beim Öffnen so richtig schön „kracht“. Flaschenkapazität: eine nach der anderen!

Zudem ist er als Sammler bei Werkstatt-Auflösungen vor Ort, um dort auf Schnäppchenjagd zu gehen. Weitere Bezugsquellen sind Flohmärkte, Maschinenteile-Märkte, Bulldog-Treffen und Oldtimer-Teilemärkte.

Geld „macht“ der Vogtareuther mit seinen Sammlungen nicht. „Bestimmt könnte ich Motoren oder Bulldogs, die ich vor vielleicht 15 Jahren gekauft habe, heute für deutlich höhere Summen wieder verkaufen. Aber ich bin halt ein leidenschaftlicher Sammler und habe viel mehr Freude an alten Motoren als am frischen Geld!“

20 Motorräder

und 300 Radios

Gleich mit 18 erwarb Sepp Spiel zusammen mit dem Autoführerschein auch die Berechtigung fürs Motorradfahren. In seinen Garagen stehen 20 Motorräder, darunter eine Zündapp KS 601 und als Schmuckstück eine Sandbahn-Rennmaschine mit Beiwagen aus der Vorkriegszeit. Sie wird von einem Wehrmachts-Motor angetrieben und wurde aus diversen Vorkriegs-Teilen zusammengebaut. „Aber es ist gar kein Drandenken, dieses Motorrad auszuschlachten. Ich will es als Ganzes erhalten.“

Was sich sonst noch alles im Fundus unseres Sammlers findet: etwa Milch-Zentrifugen, Sägemaschinen oder Bruchmühlen zum Getreidemahlen. Auch ein „Hakenzylinder“ ist dabei, der das Korn aus den Ähren herauslöst, sowie eine Windmühle, die durch bloßen Windstrom den Strohstaub von den Körnern trennt.

Ein uralter „Göppel“ steht auch im Schuppen: Das ist eine Vorrichtung, in die bis zu vier Tiere eingespannt werden, welche im Kreis herum laufen, und die Zugbewegung der Tiere in eine Drehbewegung umsetzt. Und mit dieser Drehenergie wurden einst entsprechende Vorrichtungen angetrieben.

Langweilig wird es Sepp Spiel sicherlich nicht bei der Pflege all seiner Schätze. Zur Unterhaltung hört er dann schon mal gerne Radio – davon hat er mittlerweile 300 Stück gesammelt!

Seine größte Herausforderung steht aber jetzt bevor: Sepp Spiel zieht demnächst von Vogtareuth nach Egg bei Halfing, wo er einen ehemaligen Bauernhof ausbaut und sogar einen kleinen Ausstellungsraum für seine schönsten Maschinen einrichten will. Sein Zeitplan: „Da setze ich mich terminlich überhaupt nicht unter Druck – das wird meine Lebensaufgabe!“

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