Raubling – Doch der Weg zur langen Tradition sei nicht immer einfach gewesen, berichtet Ignaz Lechner, der heutige „Huberwirt“. „Meine Vorfahren haben Kirchberger geheißen und sie hatten vier Töchter. In der Familie wird erzählt, dass jede der Töchter wieder in einen Gasthof eingeheiratet hat. Eine blieb eben in Unterthalham.“
Dann kam das Jahr 1936/37. „Damals wurden die Kirchberger-Lechners zwangsenteignet. Und mit ihnen alle übrigen Bewohner der Ortschaft. Der Ort sollte zum Wasserschutzgebiet werden“, berichtet Ignaz Lechner über die dramatischen Ereignisse von einst.
Kurz danach, etwa 1938, sei die Wirtsfamilie nach Raubling gekommen. Erinnern kann sich der heute 46-Jährige noch an seinen Opa, der ebenfalls Ignaz hieß. „Wir waren und sind eine Wirtsfamilie mit Leib und Seele.“ Anschließend hat sein Vater den Huberwirt übernommen, der ursprünglich eine Landwirtschaft mit dem Hofnamen „Huber“ war.
Als der heutige Wirt 21 Jahre jung war, verstarb sein Vater, und ab diesem Zeitpunkt war klar, wo seine Zukunft liegen wird. „Zuvor hatte ich lange keinen Plan“, gesteht er. Gut sei es gewesen, dass er die Ausbildung zum Koch absolviert und im Landkreis „Wirteluft“ geschnuppert habe. „Das kommt mir heute zugute.“ Zusammen mit seiner Frau Elisabeth habe er die Aufgaben klar geteilt: Er kümmert sich um den Speiseplan, den Einkauf, die Haustechnik und den allgemeinen Ablauf, sie umsorgt die Gäste, ist für die vier Fremdenzimmer zuständig und hilft in der Küche.
Aber auch die technische Seite in einem Wirtshaus muss betreut werden: Thekenanlage, Registrierkasse, Brandschutz. „Alles wichtige Themen. Bei uns ist alles tipptopp“, so der Wirt. Erst neulich sei der Brandschutz im Haus „ohne Beanstandung“ über die Bühne gegangen.
„Als Wirt musst du immer 100 Prozent geben, denn das Geschäft ist nicht einfach“, weiß Ignaz Lechner – der dritte Ignaz in der Familienfolge. Ob seine Tochter, die im kommenden Jahr Abitur machen wird, ebenfalls in den Huberwirt einsteigen wird, ist noch nicht entschieden. „Sie hilft natürlich schon mit und weiß, was Sache ist“, sagt der Papa. Der würde sich freuen, wenn die Tradition weitergeführt würde. „Aber wir werden sehen, zwingen kann man eh niemanden.“
Und dann – fast wie auf Kommando – schwärmt er von „seinem“ Huberwirt mit dem schönen, alten Biergarten und den nostalgischen Pschorr-Lampen, dem alten Eiskeller unter den großen Kastanien, der heute als Lagerraum dient, und den frühen Pschorr-Zeichen am Haus. Die Beziehungen zur Pschorr-Brauerei, später zu Hacker-Pschorr, seien in all den 125 Jahren immer gut gewesen. „Es war stets ein faires Miteinander. Schließlich ließen die Kirchbergers und Lechners den Draht zu den Münchenern nicht abreißen“, sagt er.
Und was trinken die Gäste am liebsten? „Münchner Hell“, kommt es wie aus der Pistole geschossen. Und natürlich die alkoholfreien Sorten, das sei eben der Trend der Zeit.