Gedenkgottesdienst für die gefallenen des Chiemgaus am Sonntag

Massives Zeichen gegen den Krieg

von Redaktion

Die Marktgemeinde Prien ist heuer Ausrichter der Gedenkmesse auf der Kampenwand für die Gefallenen des Zweiten Weltkriegs aus dem Chiemgau. Tausende Menschen werden sich am kommenden Sonntag im Schatten des Gipfels versammeln, um den Toten die Ehre zu erweisen und für Frieden zu beten.

Aschau/Prien – Im 66. Jahr der Fertigstellung des Chiemgaukreuzes auf dem Ostgipfel der Kampenwand ist die Marktgemeinde Prien am Sonntag, 27. August, um 10.30 Uhr Ausrichter der Gedenkveranstaltung an der Gedächtniskapelle „Maria, Königin des Friedens“ oberhalb der Steinlingalm. Die Veteranenvereine der Region richten die Gedenkmesse auf der Kampenwand Jahr für Jahr zusammen mit einer der Chiemgau-Gemeinden aus.

Am 26. August jährt sich die Einweihung des Kreuzes zum Gedenken an die aus dem Chiemgau stammenden, im Zweiten Weltkrieg gefallenen oder vermissten Soldaten zum 66. Mal. Von der Idee bis zur Verwirklichung vergingen drei Jahre.

1948 unternahm der Schreiner Franz Schaffner aus Höslwang nach seiner Rückkehr aus jugoslawischer Kriegsgefangenschaft mit seinen beiden Kindern eine Bergtour auf den Ostgipfel der Kampenwand. Dort fanden sie das hölzerne Gipfelkreuz für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges von 1923 zerbrochen zwischen den Felsen – ein Blitzschlag hatte es zerstört.

Daheim in Höslwang erzählte Franz Schaffner seinem Nachbarn, dem Schmied Josef Hell, von seinem Vorhaben, das Kreuz zu ersetzen. Beide beschlossen, ein Denkmal für die Gefallenen der Chiemgau-Gemeinden auf dem Gipfel der Kampenwand zu bauen.

Der Schmied, sein Sohn Hermann und dessen Stiefbruder Hans dachten spontan an ein Kreuz aus Eisen. Dieser Werkstoff erschien ihnen haltbarer, als das witterungsbeständigste Holz. Die ganze Angelegenheit landete schließlich beim Rosenheimer Landrat Georg Knott, der die 56 Gemeinden des Landkreises über die Errichtung eines Gedenkkreuzes in Kenntnis setzte und um finanzielle Unterstützung für die Aktion bat.

Wenn schon ein Mahnmal für die in beiden Weltkriegen Gefallenen des Chiemgaues, dann gleich ein „g‘scheids‘“, so die einhellige Meinung der Initiatoren. Der Schmied dachte zunächst an ein Kreuz von etwa vier Metern Höhe. Nach mehreren Gesprächen wurde daraus jedoch ein Kreuz in einem Ausmaß, das es bislang auf den bayerischen Bergen noch nicht gab. Allein sein Stamm mit Sockel sollte nach dem Zusammenbau den Gipfelfelsen noch um zwölf Meter überragen.

Im Sommer 1949 waren die Vorbereitungsarbeiten abgeschlossen. An die 2000 Arbeitsstunden sollen Schmiedemeister Hell und seine Helfer gebraucht haben. Als Baumaterial verwendeten sie vorwiegend Alteisen. Die Einzelteile wogen zusammen 36 Zentner, der Mittelbalken allein etwa zwölf Zentner.

Beim Gaufest des Chiemgau-Alpenverbandes 1949 in Prien fuhr das riesige Kreuz als besondere Attraktion beim Festzug mit. Anschließend wurde es am Priener Bahnhof auf einen Güterwagen verladen und mit der Eisenbahn nach Niederaschau transportiert. Dort lagerten die Teile am Verladebahnhof, bis sie Paul Kink, der heutige Seniorwirt im Café Pauli, mit seinen beiden Mulis nach Hohenaschau hinauffuhr. Vom Verladebahnhof ging es dann den alten Ziehweg hinauf zur Steinlingalm. Das größte Problem war, die Eisenteile den steilen Hang hinaufzubringen und die senkrechten Felsen zu überwinden. Mit einer Seilwinde, viel Improvisation und Muskelkraft kamen alle Teile an.

Im Sommer 1950 gingen die Arbeiten weiter. Jeder Zentner Zement, jedes Schalungsbrett, Geräte zum Schweißen, Werkzeug, Baumaterial, Wasser – alles musste per Hand und Rücken auf den Gipfel geschafft werden. 416 Zentner Material sollen es insgesamt gewesen sein. Das dauerte Wochen, denn der Einsatz war freiwillig und jeder half dann, wenn er Zeit hatte.

So habe er, erzählte der Schaffner Franz, als oben betoniert wurde, an einem Tage 13-mal von der Steinlingalm jeweils einen halben Zentner Zement zum Gipfel geschleppt. Der Hell Hermann sei sogar 14 mal gelaufen. Probleme bereitete der Fels, in den es Fundamente und Befestigungen zu graben galt. Das Fundament und die Löcher für die Verankerung wurden aus dem Gestein herausgemeißelt und der gewichtige Sockel aus Panzerstahl schließlich einbetoniert. Das Kreuz musste an Ort und Stelle zusammengeschweißt werden – erst dann konnte es mit vereinten Kräften in die Senkrechte gebracht werden.

Am 24. September 1950 war es dann so weit: Das Fundament und die Verankerungen waren betoniert, das Kreuz lag bereit zum Aufstellen. Eine Menge Zuschauer waren auf die Kampenwand gestiegen, um vom Plateau der Steinlingalm aus das Schauspiel in allen Einzelheiten zu verfolgen. Nach einer Bergmesse mit Schlosskaplan Monsignore Dr. Alois Röck begann pünktlich um 12 Uhr die gefährliche Arbeit auf dem schmalen Grat des Ostgipfels. Ohne Unfall wurde das Kreuz in die Senkrechte gebracht.

Schlosskaplan Dr. Röck segnete das Kreuz

Am 26. August 1951 war das seit Jahren verfolgte Ziel der beiden Hauptakteure Josef Hell und Franz Schaffner dann endlich erreicht: Das Mahnmal wurde der Öffentlichkeit übergeben. Schlosskaplan Dr. Röck stieg hinauf zum neuen Kreuz und erteilte ihm feierlich den kirchlichen Segen. Danach trug er sich zusammen mit den Erbauern und etlichen Ehrengästen, darunter Landrat Knott, in das neue Gipfelbuch ein. Anschließend feierte er vor der Steinlingalm einen Gottesdienst, zu dem rund 3000 Besucher auf die Kampenwand gewandert waren.

Seither ehren die Menschen aus der Region mit dem weithin sichtbaren Werk all jene, die nicht mehr aus den unseligen Kriegen in ihre Heimat zurückkamen.

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